Sonntag, 11. September 2022

p2p-Favoriten im September 2022

Meine subjektiven Favoriten aus eigener Erfahrung.

Disclaimer: 

  • Aussagen aus der Vergangenheit lassen nur bedingt in die Zukunft übertragen.
  • Das Risiko für Insolvenzen nimmt mit der rasant ansteigenden Inflation zu. Im Moment wird das nicht durch steigende Zinsen kompensiert.
  • Das Risiko gilt sowohl für die Plattformen, die einzelnen Kreditnehmer als auch insgesamt geopolitisch für das Baltikum.
  • Eine eigene Risikoabschätzung kann ich euch also nicht ersparen. 
  • Ich habe längst nicht alle Plattformen ausprobiert, vielleicht gibt es auch deutlich bessere.

Chancen

  • Die Renditen liegen immer noch deutlich über der Inflationsrate, auch nach Steuern bleibt ein (kleiner) Gewinn übrig, wenn keine wesentlichen Änderungen eintreten.
  • Die Plattformen/Kreditanbieter sind nun schon seit Jahren im Geschäft, zumindest ist ein Betrug auszuschließen (eine Insolvenz hingegen nicht).
  • Das Geschäftsmodell scheint zu tragen.

 Nun aber konkret.

Platz 1: SWAPER 

pros: seit vielen Jahren stabile Rendite von 14-16% (aktuell). Ausschließlich Autoinvest, also passiv. Buy back. Laufzeit 1-3 Monate in der Regel. Anlage von >5k erhöht die Rendite um 2%.
cons: Mitunter cashdrag, die Funktionsweise des Autoinvests nicht transparent. Bei mir war im Schnitt 95%+ investiert, andere hatten schlechtere Erfahrung. Plattformrisiko schlecht einzuschätzen, bislang aber keine Unregelmäßigkeiten.
Ich investere seit über 6 Jahren.

Platz 2: omaraha

pros: Hohe Rendite im Bereich 12-15% nach Verlustabschreibungen. Autoinvest funktioniert. Kaum cashdrag.
cons: Kein buyback, Verluste werden aber teilweise aus einem Pool kompensiert. Betreiberplattform nicht sehr transparent. Seite eher spartanisch und das seit vielen Jahren. Kreditlaufzeiten meist mehrere Jahre.
Ich investiere hier seit über 7 Jahren, allerdings nicht sehr umfangreich. Die Rendite schwankt stark.

Platz 3: lendermarket

pros: Hohe Rendite von z.Zt. 15%+. Buyback, Kein cashdrag, Autoinvest funktioniert sehr gut. Auswahl zwischen Kurzläufern (nominell 30Tage, in der Praxis meist 90Tage bis buyback). Oder Langläufer mit mehreren Jahren Laufzeit, leicht höher verzinst und deutlich zuverlässiger in der Rückzahlung. Immer mal wieder Cashback-Sonderaktionen für frische Einzahlungen.
Cons: Sehr hohe Verzugsrate (erhöht das Plattformrisiko, verringert die Liquidität, aber kein Renditenachteil). Rückzahlung sehr schwankend.
Ich investiere seit knapp 3 Jahren, bislang bin ich zufrieden.

Weitere Plattformen bei denen ich aktiv investiert bin, aber mit schlechterer Rendite: peerberry, afranga, moncera, estateguru, bondora.

Freitag, 12. August 2022

Warum ich bei estateguru investiert bleibe

Bei Estateguru, der estnischen P2P-Immobilienkreditplatform, bin ich von Anfang an dabei. Zwar habe ich den Vermögensaufbau gestoppt, aber die meisten Zinsen bleiben dort stehen und sie machen mittlerweile ein Drittel der Anlagesumme aus.

Kapitalanleger haben es gerade sehr schwer. Über 10% Rendite braucht es, um nach Inflation und Steuern sein Kapital auch nur zu erhalten. Das magische Dreieck sorgt dafür, dass man dann entweder bei der Sicherheit vor Ausfällen oder der Liquidität abstriche machen muss.

Estateguru findet hier einen ganz Mittelweg. Am Risiko muss man halt selbst ein wenig feilen, so investiere ich grundsätzlich nicht (mehr) in Kredite aus Deutschland, Spanien, Portugal oder Finland. Bleibt also im Moment das Baltikum.

Über 500 Kreditanteile sind bei mir abgewickelt. Kapitalverlust über alle (in einem einzigen Projekt): knapp 9€. Inkassofälle gab es ein paar mehr, ich schätze 20-25. Wenige davon habe ich auf dem Zweitmarkt verkauft, der dabei aufgetretene Verlust wurde insgesamt fast durch die bezahlten Zinsen kompensiert. Die meisten wurde aber eingetrieben. Das kann schon mal dauern. Mitunter 3-4 Jahre, und diese Zeit wird dann nicht zweistellig verzinst. Aber so zwischen 2 und 8% p.a. kamen bei mir auch bei den Inkassofällen rüber.

Die Liquidität ist selbstredend eingeschränkt. Das meisten kann man im Fall der Fälle auf dem Zweitmarkt verkaufen, oft sogar mit einem kleinen Aufschlag, der die happige 2%-Verkaufsgebühr zumindest abmildert. Bis zur regulären, oder meist irregulären, Rückzahlung dauert es. In der Regel mindestens ein Jahr (es gibt auch immer wieder vorzeitige Rückzahlungen oder Teilrückzahlungen). Oft wird der Kredit aber auch verlängert und da hat man kein Einspruchsrecht. So sollte man mit Laufzeiten von 15 -24 Monaten auch leben können. Diesmal wird selbstverständlich weiter zum vereinbarten Zinssatz verzinst.

Von 187 laufenden Krediten sind bei mir 4 im Inkasso (bei der Hälfte zeichnet sich eine kurzfristige Lösung ab), 5  ernsthalt im Verzug und damit inkassogefährdert und zwischen 5 und 15 immer mal wieder ein paar Tage oder Wochen im Verzug. Stört mich nicht. Am Schluss wird abgerechnet.

Am besten fängt man langsam an, konzentriert sich erstmal auf Kredite aus Estland mit einem niedrigen Beleihungswert und sammelt Erfahrung. Anlagen sind ab 50€ pro Anteil möglich, darüber geht jede Anlagesumme in ganzen Euro. Natürlich ist streuen Pflicht. Aber schon mit 1000€ kann man sich ein schönes Portfolio aufbauen.

Aus meiner Sicht gehört, wie gesagt mit etwas Vorsicht, Estateguru zu den empfehlenswerten Plattformen. Und das nicht, weil ich (wie der Neukunde auch) 0,5% Cashback auf die Anlagesumme der ersten Monten bei Anmeldung über diesen Link bekomme. Wer meine Beiträge liest, weiß dass ich nur Anlagen empfehle, hinter denen ich wirklich stehe. Und mitunter auch meine Meinung ändere.

Donnerstag, 4. August 2022

Meine p2p-Trends im August

Quick and dirty, und völlig subjektiv

Bondora: habe ich mehr oder weniger aufgegeben. Lediglich go&grow bleibt einiges stehen im Moment. Kompensiert die Inflation, zumindest zum größten Teil.

Peerberry: nach der jüngsten Zinssenkung habe ich ca. 30% abgezogen. 10% sind mir nicht risikoangemessen. Es gibt aber ab und an auch noch ein paar die ganz ok sind. 3 Monatsgredite zu 11% aus Litauen, ja.

Swaper: läuft deutlich besser, kaum noch cashdrag, bleibt.

Omaraha: weiß nicht. Die ganze Zeit zäh mit investieren, das hat sich gebessert. Aber doch deutliche Ausfälle. Rendite noch zweistellig, aber wer weiß. Ist halt eine der noch wenigen echten P2P-Plattformen.

estateguru: viel Umgeschichte die letzten Tage. Inkasso etwas abgebaut (eigentlich deutlich, 40% für mich persönlich). Keine deutschen Kredite für mich. Rendite eher einstellig, warum genau verstehe ich nicht - Zinszahlungsaufschübe?

lendermarket: läuft eigentlich prima. Aber mein Bauchgefühl sagt reduzieren. Darauf höre ich. Werde mal um 25-35% reduzieren.

Ablrate: wird abgewickelt. Hoffentlich kommt da noch was. Wenn die Hälfte meiner doch noch ordentlichen Anlagesumme zurückkommt, bin ich aus dem Schneider. Könnte schon gutgehen.

afranga: da werde ich etwas zulegen. 14%, läuft gut und ich habe noch nicht viel investiert.

monacera: wenn man mit 9-10% Zinsen zufrieden ist, völlig ok. Werde ich nicht ändern.

Zum Herbst hin brauche ich Cash, das passt also.

Sonntag, 17. Juli 2022

P2P schlägt Wertpapierdepot

Mitte Juli 2022 mal wieder ein Blick auf die Rendite meiner Geldanlagen. Ich habe immer das aktuelle Jahr und den letzten 2-Jahreszeitraum im Blick.

In diesem Jahr reicht es insgesamt nur knapp in die Gewinnzone, ein halbes Prozent habe ich zugelegt.

Auf zwei Jahre bezogen liegt der IZF dann schon bei 8,5%. Das ist zugleich auch die niedrigste Rendite, die mir ein (laufendes) P2P-Depot einbrachte, namentlich Estateguru. Dort reicht die Spannweite aber bis über 15% (lendermarket) und 16% (swaper).

Ein paar Abschreibungen gab es bei Bondora. Mein Depot dort wird aber langsam auslaufen. Längst habe ich meine Einzahlungen wieder erwirtschaftet und abgezogen. Auf g&g ist einiges zwischengeparkt und gleicht zumindest mehr oder weniger die Inflation aus.

Mein größtes Aktiendepot mit Einzelwerten brachte übrigens auch 15% auf die letzten beiden Jahre. Das lag hauptsächlich an GESCO, meinem größten Einzelinvest überhaupt. Da wird zudem bald eine vierstellige Summe an Dividenden ausbezahlt. 

ETFs hingegen waren insbesondere dieses Jahr überhaupt nicht der Bringer. Da das alles Sparpläne mit einem Zeithorizont von noch 8 Jahren+ sind, regt mich das nicht weiter auf. Aber einmal mehr zeigt sich, dass cleveres P2P-Sparen eine wirklich gute Ergänzung darstellt.

Schon sind aber die Zinsen wieder am Rutschen, afraga geht mal wieder von 14% auf 12% und auch peerberry hat deutliche Zinssenkungen angekündigt. Angeblich Sommerflaute. Ich werde umschichten.




Sonntag, 19. Juni 2022

p2p im Juni 2022

Ist p2p noch eine Alternative, gerade im Bärenmarkt? Halten sich die zweistelligen Renditen? Einige kurze Einsichten in meine laufenden Investitionen.

Bondora ist praktisch tot. Ich habe noch einiges in go&grow zu 6.75%, die "echten" Anlagen sind nicht mehr verfügbar.

Swaper läuft zwar sehr erfolgreich mit Zinsen von 16%, aber ich ertrinke im cashdrag. Inzwischen über 1/3 uninvestiert, mehr als im gesamten Juni (heute ist der 19.) überhaupt investiert wurde. Schade.

Estateguru ist wenig auffällig. Wenig Ausfälle. Die Zinsen geben wieder nach und bewegen sich um die 10%. Nachinvestieren eher schwierig weil ich keine deutschen, finnischen oder gar spanische Immobilien finanzieren möchte.

Lendermarket Anlegen zu 15% (30 Tage) kein Problem, aber die Rückzahlungen stocken. Eigentlich müssten bei meinen Anlagehorizont im Monat über 80% rollieren. Bis heute waren es um die 10%.

peerberry Die nicht vom Krieg betroffenen Kredite laufen prima, kein Grund weiter Geld abzuziehen. Aus RU kamen bislang ca 25% zurück.

afranga Die Zinsen haben wieder auf 12% nachgegeben. Läuft ansonsten problemlos.

Omaraha Hier stocke ich jeden Monat ein wenig auf. Allzuviel Investment ist bei kleiner Stückelung nicht möglich. Rendite deutlich zweistellig.

ablrate Hmm. Nicht gut. Die meisten Kreditnehmer gönnen sich eine Zahlungspause.

Noch läuft also im Wesentlichen alles deutlich besser als auf dem stock-market. Trotzdem werde ich vorsichtiger und ziehe eher Geld ab. Brauche ich auch für eine größere Investition (Wärmepumpe).

Mittwoch, 25. Mai 2022

Bondora schreibt unvermittelt massiv Kredite ab

Zehn Jahre habe ich nun bei Bondora investiert und diese Zeiten neigen sich dem Ende zu.

Zumindest gehe ich mit Gewinnen, das steht mittlerweile fest. Und ich werde noch einige Jahre mehr oder weniger passiv dabei sein (müssen).

Längst hat sich Bondora völlig gewandelt, und nach meiner Meinung nach nicht zum Guten. Die zweistelligen Renditen sind hier schon lange nur noch in Ausnahmefällen möglich. Andere Plattformen bieten die weiterhin, z.B. Estateguru (mit recht überschaubarem Risiko) oder buy-back-Plattformen wie lendermarket (bis 16%, durchaus mit Risiko).

Bei Bondora kann man "klassisch", also in Einzelkredite, nicht mehr investieren. Ob sich das lohnen würde bleibt also dahingestellt.

Bleibt go&grow mit aktuell 6,75% (stark gedeckelt) oder sogar nur 4% (ungedeckelt). Beides auf der gleichen Kreditpool-Grundlage mit deutlich über 50% finischen Krediten, riskant, mit unseriösen Verzinsungsmodellen.

Und, Bondora macht sowieso was es will. Jetzt kam es schon zum zweiten Mal vor, dass unvermittelt ein großer Batzen "ausgefallener" Kredite (die aber teilweie durchaus noch was bezahlen) wohl an ein Inkassounternehmen verkauft worden sind. Vermutlich. Denn was passiert, sagt Bondora ja nicht. Die tun es einfach. Mit meinem Geld. Buchverlust: bis zu 95%.

Nun weiß ich natürlich, dass diese Kredite deutlich weniger wert sind als der vermeintliche Restwert. Auch wenn da noch sehr viele Zinsen auf dem Papier stehen. Aber in den Kreditverträgen stand niemals, dass man so vorgehen könnte.

Bondora zwackt sich bei jeder Zahlung aus dem Inkasso rund 35% der Rückzahlungen ab. Auch dass war nie so vereinbart. Seit ein paar Jahren weiß man das, akzeptiert es stillschweigend, rechnet damit. Man rechnet auch damit, dass einige Kreditnehmer nie zurückzahlen werden. Alles klar.

Aber Anteile zu unter 10% vom Nominalwert an Finanzhaie zu verkaufen war nie mein Plan. Ich konnte damit auch nicht rechnen.

Jetzt ist genug und ich werde fortan deinvestieren. Bondora stört das nicht. Es gibt genug Dumme, die ihnen auch mit nicht garantierten 4% das Geld nachtragen. Klingt ja super. Dass da ein Risiko drinsteckt, habe ich gerade erlebt. Das kann auch bei g&g jederzeit passieren. Dann wird halt mal das Gesamtportfolio um 30% "bereinigt". Steht ja fett da, dass das Kapital im Risiko steht.

Ich sage jetzt nicht, dass das für jeden schlecht sein muss. Aber ich habe gerne selbst zumindest teilweise die Kontrolle oder möchte zumindest transparent informiert werden.

Jetzt darf ich erstmal dem Finanzamt erklären, warum die fetten Jahre vorbei sind. Das gibt per Saldo keine schwarze Null mehr dieses Jahr. War eingepreist, klar. Aber nicht so unvermittelt.

Donnerstag, 19. Mai 2022

Aktuell 2% Bonus bei der P2P-Plattform Lendermarket

Lendermarket fällt immer wieder positv durch cashback-Aktionen auf. Zusätzlich zu den Zinsen zwischen 12% und 16% gibt es dann noch (einmalig) 2% absolut obendrauf. D.h. je nach Anlagezeitraum ist die effektive Verzinsung noch deutlich höher.

Diesmal nur für Neukunden, die sich von "Freunden" werben lassen. Zum Glück legen das die Anbieter immer sehr großzügig aus - eine Freund ist jemand, der einem Einladungslink folgt.

Wichtig ist, dass ihr euch bis spätestens zum 7.6. angemeldet haben müsst (lieber etwas Puffer einplanen) und dann gibt es diese 2% auf alle Einlagen der ersten 30 Tagen (siehe hier, auch mit Link auf die genauen T&C zum Download).

Sieht jetzt nach Werbung aus, aber wie ihr wisst, empfehle ich nie etwas, von dem ich nicht selbst auch überzeugt bin. Natürlich will Lendermarket erreichen, dass ihr das Geld nicht nach wenigen Monaten wieder abzieht. Sondern mehr und mehr anlegt. So geht es mir gerade, denn es gibt immer wieder verführerische Aktionen auch für Bestandskunden (und deren frisches Geld, selbstredend). Auch kann man zwischendurch durchaus mal etwas abheben und dann ein paar Wochen oder Monate später mit neuem Bonuns "zurückbringen". Meist haben mich die doch sehr attraktiven Zinsen aber von solchen Spielchen abgehalten.

Nun aber zu meinen Erfahrungen: ich bin seit knapp zwei Jahren dabei und meine bislang (selbst nachgerechnete) Rendite liegt bei über 14% p.a. Zur Zeit ist das Zinsniveau noch etwas höher und auch bei einmonatiger Laufzeit sind 15% erzielbar. Soweit wurde alles den Bedingungen gemäß zurückbezahlt. Die meisten Kredite sind aus Polen oder Spanien.

Lendermarket bietet buy-back an, genauer gesagt ist Lendermarket nur die Plattform und die (meisten) Kredite sind von Creditstar. Diese Firma hat schon eine längere Geschichte u.a. bei mintos. Und keinen schlechten Ruf.

15% ist Junk-Level, das sollte jedem klar sein. Das eingesetzte Geld ist im Risiko. Dafür verdoppelt es sich halt auch nach knapp 5 Jahren. Bislang konnte ich nur eine Schwäche ausmachen: der Kapitalbedarf von Creditstar scheint stark zu schwanken. Ist er groß, so kommt es mir vor, als werden mehr Kredite später zurückbezahlt. Laufzeiten von 30 Tagen weiten sich dann schnell auf 90 Tage (manchmal noch mehr bei "offizieller" Verlängerung) aus. Wird aber alles verzinst. Nur: es gibt keinen Zweitmarkt und daher keine Ausstiegsmöglichkeit, man sollte also nicht tagesgenau auf die Rückzahlung angewiesen sein.

Ansonsten: einfache und übersichtliche Oberfläche, sehr gutes Autoinvestments, fast immer ausreichend Kredite vorhanden (kein cash-drag).

Wer es auspobieren will, geht hier lang: https://www.lendermarket.com/ref/6dqyz1ub?lang=de

Viel Erfolg beim Investieren!

Freitag, 13. Mai 2022

Strategien bei seedrs

 Nun ja, die einzig wahre ist: was sich gut entwickelt, immer weiter zukaufen :)

Nur so einfach ist es nicht ganz. Deshalb ein paar Bemerkungen von mir aus meinem Kurzen Erfahrungsschatz.

1) Exit heißt nicht immer Gewinn. Es kann eine Übernahme kommen, wo man gerade seinen Einsatz und vielleicht noch ein Butterbrot drauf bekommt. Das bringt einem nicht weiter. Um die zwangsläufigen Verluste anderer Beteiligungen aufzufangen, ist ein echter Erfolg erst bei einer Vervielfachung des Einstiegskurses zu verzeichnen.

2) Exit heißt nicht immer realisierbar. Je nachdem, an was für einem Handeslplatz man landet. Und wie hoch das Ausgangsinvestment war, können mangelnde Liquidität und/oder hoher Marklergebühren einem den Spaß verderben. Zusätzlich gelten meist Haltefristen, inzwischen kann sich die Anfangseuphorie legen.

Zwischenfazit 1: Es kann lukrativer sein, auf dem Zweitmarkt auszusteigen. Zumindest deutlichebequemer und mit faireren Gebühren.

3) Was tun bei hahen Wertsteigerungen der nachfolgenden Runden?
Nicht immer ist es günstig, gleich nachzuinvestieren. Oftmals kommt man am Zweitmarkt nach dem Abschluss der neuen Runde deutlich billiger an weitere Anteile. Vielmals trennen sich Altanleger zumindest von einem Teil ihrer Bestände, insbesondere wenn "ihre" Runde schon lange vorbei war und die steuerlichen Vergünstigungen (EIS etc, leider nur für Briten nutzbar) abgelaufen sind.

4) Convertibles lohnen oft nicht.
Ein Beispiel: vor einiger Zeit hatte ich eine kleine Summe in CreditSpring investiert. Nach etwa 15 Monaten wurde gewandelt, und ich bekam die Aktien zu einem um 20% rabattierten Preis. Das ist ja nicht so schlecht, immerhin 25% Wertsteigerung. Wenn sich das realisieren lässt. Allerdings: ich hatte dann auch, mehr oder weniger zu pari, auf dem Zweitmarkt nachgekauft. Diese Anlage hat sich mit der letzten Wertanpassung verfünffacht. Ganz was anderes.
Trotzdem kann es sich lohnen, mit einer kleinen Summe einzusteigen, um an die Informationen der Updates und im Diskussionsforum zu kommen. Die sind oft Gold wert.

5) Kleinvieh macht wenig Mist, dich aber zum Insider.
Klar es ärgert einem, wenn ein Investment sehr gut läuft und man war nur mit 10-20 Pfund dabei. Auch die Gebühren sind dann prozentual deutlich höher. Aber wie oben erwähnt, kann man sich dadurch Informationen sichern, an die man sonst nicht käme. Aus dem gleichen Grund kaufen sich Leute oft Anteile in Minibeträgen auf dem Zweitmarkt, wo man sich ob der erzielten Aufschläge die Augen reibt.

Zwischenfazit 2: Informationen sind alles. Und die bekommt man meistens nur mit eigenem skin-in-the-game. Allerdings muss man auch darauf achten, sich nicht zuviel zuzumuten. Man kann schlecht hunderte von Unternehmen gleichzeit im Blick behalten.

6) Das Team ist das wichtigste. Und die einfachste Information dazu ist zu beobachten, wie man mit den Anlegern umgeht. Kommen regelmäßig Geschäftsberichte? Auch mit Zahlen und nicht nur blabla? Klar gibt es Blender, aber selbst wenn, ziehen sie trotzem erstmal den Kurs nach oben.

7) Auf frühe Anzeichen achten. Bei den meisten Anteilen, die den Bach runter gingen, zeichnete sich vorher etwas ab. So rechtzeitg, dass man noch ohne zu massive Verluste aussteigen konnte. Wenn der Titel nicht sehr frühzeitig am Zweitmarkt gesperrt wurde, was manchmal auch passiert.

Fazit 3: auch mal liquidieren ist keine dumme Idee. Natürlich nicht unbedingt die 10€-Anteile. Aber wenn das Bauchgefühl "nicht mehr gut" sagt, sollte man darauf hören. Es gibt genügend andere Investitionsmöglichkeiten, und ab und zu verpasst man halt was.
Letztlich muss jeder wissen, wie sehr ihn Verluste/entgangene Gewinne ärgern. Das wird dann das Maß der Vorsicht bestimmen.

Seedrs kann süchtig machen. Und das Geld ist alles andere als liquide. Dessen sollte man sich bewusst sein.

Mittwoch, 27. April 2022

Estateguru - neue Finanzierungsrunde

 Heute (27.4.) ist die 3. FInanzierungsrunde von Estateguru bei seedrs gestartet. Man sucht mindestens 500k€, bereits nach 2 Stunden sind schon rund 150% finanziert. Die Nachfrage ist also groß.

Doch gerade für Neueinsteiger heißt es genau hinschauen. Die 3. Runde ist im Gegensatz zu den ersten beiden keine Direktanlage in Anteile sondern ein sogenannter convertible loan. Das ist so etwas wie eine Wandelanleihe und gibt es bei seedrs immer mal wieder, in verschiedenen Ausprägungen.

Ein Blick auf das "Kleingedruckte" oder die "key information" verrät uns:

- es gibt bei der Umwandlung in Aktien später 20% Rabatt. Das würde einem Gewinn von 25% entsprechen (wenn man ihn realisieren kann).

- der sogenannte valuation cap beträgt über 200Mio € (im Vergleich zu einer aktuellen Bewertung von 55Mio).

- Keine Zinsen, 2 Jahre maximale Laufzeit.

OK. Was bedeutet das ganze? Gibt es die nächste Runde (mindestens 1 Mio), bekommt man die investierte Summe in Anteile umgewandelt, zu einem Preis von dieser Runde minus 20%. Egal wie groß die Wertsteigerung bis dahin war. Es sei denn, der valuation cap würde übertroffen. Also Estateguru ist dann schon z.B. 1Mrd wert. Dann würde man ein Schnäppchen machen. Ist aber nicht sehr wahrscheinlich, denn der ist schon arg hoch angesetzt.

Wenn zwei Jahre nichts passiert under nur sehr kleine Finanzierungsrunden stattfinden 36,07€ oder dem ggf. niedrigeren Preis einer Runde (dazwischen), kein Rabatt.

D.h. die Gewinnaussichten sind recht begrenzt, das Risiko ist aber genauso da wie bei einer "normalen" equity-Runde.

OK. 25% sind nicht schlecht. Wenn die nächste Runde relativ bald stattfindet. Aber vom Hocker reißt das Angebot jetzt nicht unbedingt.

Ach, und was man beachten sollte: auf dem Zweitmarkt kann man erst nach der Umwandlung handeln. Das wird eine längere Zeit dauern. Prinzipiell sind ja alle Investionen bei seedrs und dergleichen als langfristige zu betrachten, hier gibt es aber erstmal gar keine Ausstiegsmöglichkeit. 

Ich habe schon beides erlebt (trotz meiner noch nicht allzulangen Geschichte bei seedrs): insbesondere bei kleinen Firmen, bei denen der valustion cap zog eine enorme Wertsteigerung (5fach) auch bei convertibles oder eben 25% (bei 20% Rabatt, man muss ja umgekehrt rechnen) während die "echten" Anteile sich gerade ebenfalls verfünffachten. Das war dann für ein gutes Jahr Anlagezeit zwar auch nicht schlecht, aber man ärgert sich trotzdem, weil ein Kauf auf dem Zweitmarkt selbst mit deutlichem Aufschlag viel lohnender gewesen wäre. Und realisiert ist der Gewinn ja dann noch keinesfalls, nach solchen Kurssprüngen verkauft sich erstmal auf dem Zweitmarkt sehr schlecht.

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Wer sich beteiligen will und bislang noch nicht bei seedrs angemeldet war, sollte unbedingt den Neukundenbonus von 30€ (bzw. 25 Pfund) mitnehmen. Dazu muss man mindestens 200€ investieren. Den gibt es über einen Werbelink, z.B. diesen https://www.seedrs.com/signup?promo_code=Y4DCJ677

Natürlich kann man die 200€ oder 150L auch in andere Anteile investieren, muss man nur innerhalb von 4 Wochen nach der Anmeldung machen ;)

Sonntag, 24. April 2022

Ein Jahr bei peerberry - kein guter Zeitpunkt.

Peerberry ist eine P2P-Plattform, die Kreditanteile aus vielen verschiedenen Ländern anbietet. Es gibt Kurzläufer (30 Tage, teilweise auch darunter) und Kredite über längere Laufzeiten, bis zu mehreren Jahren. Die Verzinsung beträgt, je nach Land und Marktlage, ca. 9%-13%. Über ein Bonusprogramm für höhere Anlagesummen erhöht sich der Zinssatz zusätzlich um 0,5-1%.

Das ganze funktioniert normalerweise sehr unaufgeregt: Geld überweisen, Kredite aussuchen oder Autoinvest verwenden, Rückzahlung abwarten (häufig etwas verspätet, das wird aber verzinst), gegebenfalls Geld rücküberweisen (geht sehr schnell).

Allerdings liegt das Problem bei den Ländern, aus denen die Kredite kommen. Neben Vietnam, Lithauen und Polen sind da eben auch Moldavien und Kasachstan dabei. Und dann auch Russland und die Ukraine. Bzw. waren dabei. Ihr könnt euch vorstellen, dass das gerade nicht so einfach ist.

Als Ende Februar der brutale Überfall doch für die meisten von uns recht überraschend stattfand, hatte ich ca. 1/4 russische und sehr wenige ukrainische Titel im Depot. Wie schon zuvor bei der kurzen Krise in Kasachstan (von der keiner mehr spricht) reagiert Peerberry rasch und umsichtig.

Das ist ja eine Situation, vor der wir uns (finanziell) immer fürchteten, was passiert nun? Überraschenderweise flossen die Rückzahlungen aus der Ukraine zunächst weiter. Neue Kredite gab es unmittelbar keine mehr. Einen Zweitmarkt hat peerberry nicht.

Sehr bald gab es erste Ansagen. Die Aventus-Group, aus durch die betroffenen Kredite finanziert wurden, übernimmt die Verantwortung und zumindest die ausgeliehene Kreditsumme soll zurückbezahlt werden. Zinsen aber nur bis zur buy-back-Grenze (also 2 Monate nach Fälligkeit). Das ganze soll über etwa zwei Jahre Zug um Zug abgewickelt werden.

Das ist ein überraschend guter Plan für die Anlager. Ich hätte mit deutliche höheren Verlusten gerechnet und in der ersten Panik sicherlich auch einer 50%-Rückzahlung (bzw. einem entsprechendem Verkauf auf dem Zweitmarkt) zugestimmt.

Erste Zahlungen haben im April stattgefunden. Sogar mehr, als zunächst versprochen. Über 10% des Ausstands sind bereits beglichen, die Plattform selbst spricht sogar von 23%. 

Alle anderen Länder laufen übrigens wie gehabt weiter. Es gibt ein großes Angebot und die Zinssätze haben sich zumeist um ca. 2% erhöht.

Fazit: Peerberry macht einen extrem guten Job. Zwar steht bei mir noch eine Summe von ca. 300% der in einem Jahr erwirtschafteten Zinsen aus, dennoch bin ich guter Dinge und positiv überrascht. Russische Kredite würde und werde ich natürlich nicht mehr kaufen, aber hinterher ist man immer schlauer. Ich hatte zunächst ca. 1/4 meiner Anlagen abgezogen, den Rest habe ich nun aber fortlaufend wieder reinvestiert und werde dabei bleiben. 

Ein Risiko besteht bei p2p-Krediten immer, die Ursachen können höchst unterschiedlich sein. Daher kommen halt auch die hohen Zinsen. Trotzdem droht nicht immer gleich der Totalverlust. Die Auswahl der richtigen Plattform ist entscheidend (aber nicht einfach).

Wer mehr darüber wissen will kann auch den Blog https://peerberry.com/blog/ anschauen.


Freitag, 22. April 2022

Estateguru - der Zweitmarkt

Seit einiger Zeit bietet Estateguru auch einen Zweitmarkt an. Die Gebühren sind happig - ganze 2% der Erlössumme werden für den Verkäufer fällig. Entsprechend ist das Angebot, denn die meisten versuchen diese Gebühr durch einen entsprechend angehobenen Preis auszugleichen.

Die Nachfrage ist die meiste Zeit relativ hoch, vorallem, wenn es wenig attraktive Angebote auf dem Erstmarkt gibt (zur Zeit gibt es die allerdings). Von daher nutze ich den Zweitmarkt meistens nur auf der Verkäuferseite, um mich von ungeliebten Krediten zu trennen. Meistens Kredite, bei denen ich ungeduldig werde, weil die Rückzahlungen auf sich warten lassen. Dann verzichte ich gerne auf einen Teil der Rendite oder nehme bei ausgefallenen Krediten sogar einen kleinen Verlust hin. Das ist mir lieber, als Jahre auf eine Rückzahlung zu warten. Auch wenn die früher (oder eher später) meistens kommt. Aber in dieser Zeit kann dann man Geld schon anderswo Rendite erwirtschaften. Und es fühlt sich für mich einfach besser an, auch wenn es vielleicht ein paar Cent an Rendite kostet.

Oft frage ich mich, wer warum das Zeug eigentlich kauft. Ist es der Cashdrag, der einen leichtsinnig werden lässt? Hoffnung auf Outperformance kann es eigentlich nicht sein.

Naja, einmal bin ich selbst in diese Falle getappt. Bei einem Kredit in Verzug gab es gute Nachrichten. Oder eher, die Aussicht auf solche - wie so oft im Kreditgeschäft werden Versprechungen nicht oder zumindest nicht so bald eingelöst.

Und ich hatte gerade Unmengen an Cash auf dem Konto. So habe ich mir einen für meine Verhältnisse großen Anteil von knapp 500€ gegönnt, mit der Aussicht auf eine kurze Restlaufzeit und ganz ordentlichen Zinsnachzahlungen.

Die Zinsen kamen dann, nach ca. 4 Monaten. Die Rückzahlung erstmal nicht. Nun, weitere vier Monate später war es dann soweit. Doch seht selbst:

Das war am Ende gut gegangen! Gut 12% in etwa 8 Monaten, das hat sich gelohnt.

Insgesamt bin ich immer noch immer von estateguru überzeugt, kaufe aber Kredite nur sehr selektiv und fast ausschließlich auf dem Erstmarkt. Meistens aus dem Baltikum, vor allem aus Estland. Spanische oder andere exotische Kredite kommen mir nicht ins Portfolio. Auch bei Krediten aus Deutschland bleibe ich sehr skeptisch. Aber bislang stimmt die Rendite - ich bin von Anfang an dabei, habe praktisch alle Erträge reinvestiert und komme auf zweistellige Jahreserenditen. Die Ausfälle sind verschwindend gering. Insgesamt inklusive meiner mit leichten Verlusten behafteten Verkäufen senken sie die Rendite um nicht einmal 0,1%.


Werbeblock:

Wer noch nicht bei esteteguru angemeldet ist, kann das über diesen Link machen. Dann gibt es für uns beide jeweils 0,5% Cashback für die Investitionen der ersten Wochen.

Auch attraktiv ist eine Beteiligung als Anteilseigner von estateguru bei seedrs. Die nächste Runde steht unmittelbar bevor. Ich habe mich schon bei den ersten beiden Runden eingekauft und ordentliche Wertsteigerungen erlebt - und bin auch für die nächste Runde optimistisch!

Wer noch nicht bei seedrs registriert ist, sollte das unbedingt über eine Empfehlung machen. Investiert man dann binnen 30 Tagen insgesamt mindestens 150 Pfund (knapp 200€), erhält man (nach längerem Warten) 25 Pfund oder den entsprechenden Gegenwert in Euro gutgeschrieben. Das ist eine ganz ordentliche Prämie! Gilt natürlich nicht nur für estateguru-Anteile.
Hier der Link: https://www.seedrs.com/signup?promo_code=Y4DCJ677

Bei beiden Investitionen gilt natürlich das Risiko abzuwägen, das wisst ihr ja. Investieren bei estateguru ist sicherlich weniger aufregend als in estateguru, was Risiken aber auch Chancen angeht.



Samstag, 8. Januar 2022

Lohnt Bondora immer noch?

 Ich hatte ja ziemlich von Anfang an bei Bondora investiert, ab 2012. Von smava und auxmoney kommend, hatte mich Claus Lehmann, der deutsche P2P-Guru, auf die Idee gebracht. Das war anfangs schon ein bisschen unheimlich, Geld ein in unbekanntes östliches Land zu überweisen und dafür zweistellige Zinsen zu bekommen. Ziemlich bald waren da auch über 20% Standard. Und diese Gründerjahre waren auch die ertragreichsten.

Das zeigt die nachfolgende Grafik:


Wie man sieht, habe ich sehr viel auf dem Zweitmarkt verkauft (blau), und noch mehr gekauft. Seit 2020 kaufe ich auch vermehrt rote Kredite mit Abschlägen von 35-85%.

Bis 2017 gibt es praktisch nur eine Säule. Das bedeutet, dass sich keine Kredite (außer abgeschriebene) aus diesen Jahren mehr in meinem Depot befinden. Die Erwerbungen aus dem Jahr 2012 haben ca. 123% Rückflüsse gebracht, bis 2018 habe ich alles Geld das ich angelegt habe wieder zurück.

Die ausgefallenen Kredite sind nach unten abgetragen, aus dem Jahr 2015 sind da z.B. noch rund 17% meiner Investitionen übrig, die eigentlich getilgt sein müssten. Aus diesem Jahr habe ich bislang nur 4% mehr erhalten als einbezahlt. Das täuscht aber etwas, der reale Rendite ist sehr viel höher, da ich über die Hälfte meiner Käufe nur sehr kurz behalten habe.

Kommt für das Jahr ein zweiter Balken dazu, so habe ich Teile dieser Papiere noch. Grün bedeutet rechts noch ausstehende Kreditsummen, die nicht im Verzug sind, links hingegen durch Tilgung zurückbezahlte. Rechte rote Balen sind Kreditraten im Ausfall, die noch in der Zukuft liegen (was faktisch nicht viel ändert).

Laut Bondora beträgt meine Rendite gut 13%. Das stimmt inzwischen ganz gut mit meinen eigenen Abschätzungen überein. Sie sinkt im Laufe der Zeit immer noch leicht ab, weil ausgefallene Kredite zunächst keine Zinsen zahlen (es gibt solche, ja. Wieviel lässt sich kaum vorhersagen).

Ok, schauen wir uns ein neueres Portfolio an. Meine Kinder sind auch alle bei Bondora, mehr oder weniger aktiv. Eine Zeitlang lief da ziemlich viel über Bots, im letzten Jahr wurde mehr und mehr zu go&grow umgeschichtet. Aus den Erträgen lässt sich dann mal ein kleiner Urlaub finanzieren. Für eine Immobilie recht es nicht ;)

Das Portfolio von O. läuft seit gut 5 Jahren. Es wurde anfangs viel gehandelt, aber niemals rote Kredite gekauft. Trotzdem ist deren Anteil inzwischen bei über 30%. Ausfälle gehören bei Bondora eben dazu.

Mit 23% Rendite liegt O. auf Platz 25 der Bondora-Rangliste. So sieht die Depotentwicklung aus:


Zum Zeitpunkt der Coronakrise 2020 wurde g&g (noch vor allen Einschränkungen) aufgelöst und seit dem vergangenen Sommer wieder bespart (blaue Linie). Die grüne Linie gibt die Gewinne an und wächst beständig. Immer noch.

Etwas konkreter zeigen das die monatlichen Nettoerträge auf, bei denen Bondora angibt, um wieviel die bezahlten Zinsen die nicht bezahlten Tilgungsraten ausgefallener (oder auch verspäteter) Kredite übersteigen:


Bis auf zwei Monaten mit größeren Abscheibungen stets positiv. Die Anlage rentiert sich also. Aus Inkasso kommt dabei noch nicht sehr viel:


Der Balken ganz links sieht zwar beeindruckend aus, absolut ging es aber um weniger als einen Euro. Die Ausfälle sind noch zu frisch, um größere Inkassozahlungen zu generieren.

Wie ist die aktuelle Strategie? Inzwischen stecken über 60% in go&grow um Sicherheit und Liquidität zu erhöhen. Trotzdem wird noch regelmäßig per Portfoliomanager Pro gekauft. Danach findet ein cherry-picking statt. Etwa 1/3 der (sowieso nur aus Estland stammenden) Kredite wird mit kleinen Aufschlägen von 1-3% auf dem Zweitmarkt vertickt. Das klappt in etwa der Hälfte aller Fälle. Käufe auf dem Zweitmarkt finden so gut wie nicht mehr statt (da haben wohl andere schnellere Bots).

Recht selten schaue ich mir auch die Kredite nach letzter Zahlung sortiert an und verkaufe die mit schlechter Zahlungshistorie. Mit den o.a. Aufschlägen.

Abschließend auch hier nach die gleiche Grafik wie bei meinem Konto:

Zunächst fällt auf, dass in den Jahren 2016-19 90% und mehr der Kredite (gleich) wieder verkauft wurden. Anders ist eine soch exzellente Rendite auch gar nicht möglich. Von daher stehen aus diesen Jahren auch nur sehr wenige Ausfälle an. Bislang steht jedes Jahr für sich mit einer positiven Bilanz da.

Die Kredite sind zu 95% aus Estland. Auch das trägt zur besseren Performance bei.

Fazit: Die Strategien der vergangenen Jahre sind nicht mehr möglich. Handeln auf dem Zweitmarkt mit 1€-Anteilen macht nicht wirklich Sinn, wenn es nicht vollkommen automatisiert abläuft. Es werden zwar weiterhin Gewinne erwirtschaftet, doch ist es aus meiner Sicht zweifelhaft, ob diese (zumindest bei rein passivem Investieren) g&g deutlich übertreffen.

Von manchen wird sogar angezweifelt, ob die g&g-Rendite von 6,75% im Moment überhaupt erwirtschaftet wird. Da hier viele Kredite aus Finnland und Spanien vorhanden sind, ist dieser Zweifel nachvollziehbar. Ich rechne hier auch mit langfristig sinkenden Zinsen. Zu 5% würde ich mein Geld dort allerdings nicht mehr anlegen.



Donnerstag, 6. Januar 2022

Auf dem Weg CO2 neutral zu werden

 Im kürzlich veröffentlichen Beitrag https://p2p4oktaeder.blogspot.com/2021/12/okoinvest-mal-anders.html habe ich dargelegt, wie ich mit einer Investition von 700€ rund 2t CO2 eigespart habe. Das ganze ist natürlich nur dann nachhaltig, wenn eine solche Investition regelmäßig stattfindet, denn es ist die Einsparung über die gesamte Laufleistung der Anlagen (vermutlich 20 Jahre) angegeben.

Zeit das mal in einen persönlichen Kontext zu bringen. Wie groß ist eigentlich mein Fußabdruck?

Kleiner Einschub: CO2 Fußabdruck ist unter Klimaaktivisten ein bisschen eine umstrittene Messlatte. Schließlich kommt dieser Begriff aus einer groß angelegten PR-Aktion der Öl- und Gasindustrie und es wird nicht ganz zuunrecht unterstellt, dass man damit die Verantwortung der Einzelperson zuweisen will, anstatt das Problem global anzugehen. Trotzdem ist es für eine persönliche Einordnung sicherlich sinnvoll, sich das mal vor Augen zu führen.

 CO2-Rechner gibt es inzwischen sehr viele im Internet, ich habe mir den vom Bundesumweltamt herausgesucht und die Detailanalyse durchgeführt. Unser Haushalt ist gerade im Umbruch, verringert sich von 5 Personen auf im Schnitt knapp 3, wenn man die Besuchzeiten der Kinder hinzunimmt. Das vergrößert den pro-Kopf-Verbrauch bei Heizung dramatisch. Ich habe für 2021 einen realistischen Durchschnittswert von 4 Personen angenommen.

Coronabedingt waren keine Flugreisen und wenige Autokilometer dabei. Dafür haben wir immer noch eine fossile Heizung (Schande, aber das Abwracken gut funktionierender Maschinen ist auch nicht nachhaltig, gilt auch für unsere Autos die kaum fahren). Wir fahren den Großteil der lokalen Stecken mit dem eBike und sind alle nicht so die Konsumfreaks.

Das Ergebnis war bei mir gut 9t/Jahr. Bei allen anderen dürfte es etwas weniger sein, ernähnungsbedingt. Ich bin entschieden der gewichtigste und bin ab und an schon ein Fleischgenießer. Insgesasamt bin ich damit noch knapp 20% unter dem Bundesschnitt, was nicht für Wohnen und Essen gilt, da bin ich drunter. Positiv wirkt sich auch unser Ökostombezug aus (echter Ökostrom aus Schönau, nicht das umgelabelte Zeug).

OK, in einem "normalen" Jahr wären es sicher 10t gewesen, für jede/n von uns.

Was kann man da machen? Einsparen oder kompensieren. Für mich alleine haut das gut hin. Meine beiden Photovoltanlagen und weitere Beteiligungen an Bürgergenossenschaften sparen schon seit über 10 Jahren über 10t/Jahr ein. Kompensation.

Einsparen: bei der Mobilität ist nur noch wenig herauszuholen, das wird eher wieder schlechter. Eine neue Heizung ist längst in Planung, allerding bietet sich evtl. die Möglichkeit, bei einer großen Lösung meiner Gemeinde mit Nahwärme mitzumachen. Das wäre noch ökologischer. Bleibt das Essen. Ganz auf Fleich werde ich nicht verzichten, allerdings kann ich noch mehr auf die Produktion achten. Wir sind sowieso dabei mehr regionale Bioprodukte zu kaufen. Das hilft auch ein wenig.

Auf 0 kommt man durch Einsparen niemals, schon eine Halbierung ist ein sehr ambitioniertes langfristiges Ziel. Bleibt also die Kompensation.

Das kann man sich einfach machen und bei einem der Anbieter bezahlen. Das machen schon viele, um das Gewissen bei Flugreisen freizukaufen. Kostet ca. 25€/t. Zusätzlich zur Co2-Steuer natürlich.

Oder, wie oben gesehen, man investiert ca. 350€. Die man dann im Laufe von max. 8 Jahren verzinst zurückbekommt. Wäre pro Nase ein ganz schönes Sümmchen, bis die Anlage irgendwann mal zyklisch wird. Aber mit 12-15k sollte das hinhauen. Wenn es die Möglichkeiten dauerhaft gibt. Schöner Nebeneffekt: die Zinsen gibt es dann irgendwann als zusätzliches Einkommen.

Durch meine Investitionen bei forest finance bin ich sowieso sauber raus. Wenn auch finanziell nicht erfolgreich, besser kann man CO2 kaum kompensieren als durch Urwälder aufforsten.

Ich werde dieses Thema weiter angehen, ich stehe da noch ziemlich am Anfang.

 

Samstag, 1. Januar 2022

Bondora - Ergebnis 2021

 Dieses Jahr werde ich für meine Bondora-Anlagen nicht viele Steuern bezahlen. Grund dafür sind sehr viele Abschreibungen von ausgefallenen Krediten, die dieses Jahr realisiert wurden. Das ist eine Hypothek der Vorjahre, in denen Renditen weit über 10% verbucht wurden.

Die Berechnung ist nicht einfach, sobald man am Zweitmarkt handelt. Aber seit zwei Jahren habe ich das mit access automatisiert, so dass ich für die Berechnung nur etwa 10min brauche (um die Daten zusammenzuklauben). Bis auf ein paar Cent (Rundungsfehler bei tausenden Buchungen?) stimmen die Werte mit denen vom Steuerbericht, soweit dort vorhanden, überein.

Und so schaut's aus:


Zur Erläuterung der Spalten:

- Verkaufsgewinne sind abgeschlossene Geschäfte, bei denen ich einen Kredit ge- und wieder verkauft habe. Einnahmen durch Rückzahlungen im laufenden Jahr sind eingerechnet, die der Vorjahre sind teilweise schon verbucht (kommt gleich). Zinszahlungen sind extra aufgeführt.

- Rückzahlungsgewinne
Kaufe ich einen Anteil (zum Teil deutlich) unter Nennwert, so mache ich Gewinne, sobald die Rückzahlungen in der Summe den Kaufpreis überschreiten. Die Berechnung hat mich einiges Kopfzerbrechen gekostet, aber wie man sieht, sind die Werte inzwischen keine Kleckerlesbeträge mehr.
Diese Gewinne werden jeweils den Jahr zugeschrieben, in dem die Rückzahlung stattfand.

- Zinsen sind klar.

- Abschreibungen legt Bondora fest. Der Kredit wird als abgeschlossen geführt, obwohl nicht das vollständige Anlagekapital zurückgeflossen ist. Der Rest ist uneinbringbar.

- ZinsGesamt gilt nur der Information. Es verschafft mir einen Überblick, wieviele Zinsen die in diesem Jahr noch gehaltenen Anteile insgesamt bezahlt wurden, gerade zum Vergleich mit den Abschreibungen.

Das Ergebnis nach Ländern wundert wenig. Es ist nicht so, dass ich nie irgendwelche Zinsen aus der Slowakei erhalten habe. Aber die - extrem wenigen - guten Kredite sind längst ausgelaufen. Und die gut 9000€ nie bezahlten Zinsen wurden Ende 21 gleich mit abgeschrieben, dieses Kapitel ist damit abgeschlossen.

Auch spanische Kredite haben sich nicht gelohnt. Deswegen habe ich auch nur noch sehr wenige davon.

Schon Finnland lohnt sich. 

In Estland wurden dieses Jahr auch sehr viele alte Kredite abgeschrieben. Hier lohnt ein Blick auf die Gesamtzinsen.

Am Ende bleibt ein Gewinn von gut 1600€. Immer noch über dem Freibetrag :)
Dazu kommt noch Go&Grow und wie gesagt, sehr gute Erträge in den Vorjahren.

Wen das Slowakei-Deseaster genauer interesssiert: Insgesamt hatte ich für ca. 2500€ Kredite aus diesem Land.Fast alle davon aus 2014. Zurückbekommen durch Rückzahlungen und Verkäufe: ziemlich genau die Hälfte. Etwa 100€ an Zinsen wurden bezahlt. Bondora hat da die Anlager völlig im Regen stehen lassen, sie haben absolut Mist gebaut. Das gilt bis zum Schluss. Auch dieses Jahr hatte ich einige wenige ausgesuchte Kredite gekauft, mit Rabatt, und die haben brav bezahlt. Auch diese wurden nun zu einem Schleuderpreis abgeschrieben. Immerhin wurden aber auch für den ganzen Bodensatz, der offensichtlich nie vorhatte auch nur einen Ct zu bezahlen, noch 5% vom Nennwert bezahlt. Ich bin froh, dass das nun vorbei ist.