Samstag, 25. Januar 2020

Moneything in Abwicklung

Dieses Jahr sollen die bestehenden Kredite bei Moneything abgewickelt werden und die Plattform geschlossen. Seit etwa einem Monat sind keine Einzahlungen mehr möglich, keine Käufe oder Zweitmarktgeschäfte.Auszahlungen (ab 10L) werden aber wie gewohnt rasch vorgenommen, Zinsen gutgeschrieben und Rückzahlungen ebenso. Wenn sie kommen.

Meine Anlagen

Zwischen April 2016 und Dezember 2018 hatte ich rund 7500 Pfund zu MT überwiesen und in gut 50 verschiedene Projekte investiert. Viele davon haben erfolgreich zurückbezahlt. Ab Anfang 2018 habe ich auch Geld abgezogen, insgesamt rund 5200 Pfund. Die Schwankungen des Pfundkurses haben meine Anlagen nicht negativ berührt, vermutlich habe ich sogar ein wenig davon profitiert. Nach anfänglichen Experimenten mit Banküberweisungen, currencyfair und transfairwise habe ich fast alle Zahlungen mit meiner revolut Kreditkarte abgewickelt und bin damit sehr zufrieden. Äußerst einfach und keinerlei Gebühren.
Im Moment stehen also noch etwa 2300 Pfund oder gut 2600€ aus. Auf der Habenseite stehen zunächst noch etwa 3800L an Anlagen und rund 900€ ausstehende Zinszahlungen. Auf dem Papier. Bezahlt und versteuert wurden rund 1500L an Zinseinnahmen.
Wird die Hälfte der Anlagen zurückkommen (pessimistische Schätzung), ergibt sich nach Steuern ein Verlust von 3% pro Jahr. Bei einer realistischen Schätzung von 2500L Gesamtrückzahlungen komme ich auf etwa 1% Jahresrendite.

Warum Verluste?

Das Geschäftmodell, was MT die letzten Jahre gefahren hat, hat sich als nicht tragfähig erwiesen. Sehr viele der Immobilienentwicklungen sind gescheitert bzw. haben höhere Entwicklungskosten beansprucht als ursprünglich angenommen und sehr viel länger gedauert.
Etwa die Hälfte der ausstehenden Gelder sind daher in Projekte unter Zwangsverwaltung geraten. Das verursacht weitere hohe Kosten. Vom Rückfluss der gesamten investierten Summe oder gar einer Verzinsung ist daher nicht auszugehen. Der angegebene Beleihungswert war fast immer deutlich zu hoch angesetzt.
Ein Projekt, bei dem im wesentlichen Fahrzeuge beliehen wurde, hat sich als Betrug herausgestellt. Die Wertgegenstände wurden als Sicherheit für viele Kredite hinterlegt und keiner hat das bemerkt. Das lässt schon sehr auf mangelnde Professionalität schließen.

Viele der noch ausstehenden Gelder sollten schon längst, manche schon vor zwei Jahren zurückbezahlt werden. MT muss zwangsweise die Laufzeiten immer wieder verlängern um die Kreditnehmer nichts ins Inkasso zu zwingen (was auch geschieht, Folgen siehe oben). Das passiert zum Teil alle zwei Wochen. Ob man selbst daran glaubt, dass dann tatsächlich die Rückzahlung stattfindet oder man sich einfach nicht anders zu helfen weiß bleibt unklar.

 Fazit

Die Betreiber der Plattform waren einfach von der Komplexität des Unternehmens überfordert. So auch viele ihrer Kunden. Echte Betrugsabsichten waren nur in einem Fall zu erkennen, dieser spielt in der Gesamtsumme keine herausragende Rolle und wäre gut zu verschmerzen gewesen. Über die gesamte Laufzeit hat man wohl für die Anleger eine kleine positive Rendite erwirtschaftet. Je nach Anlagezeitpunkt und Projektauswahl haben manche am Ende aber auch 30-50% ihrer Anlage verloren.

Das Risiko in diesem Marktsegment sollte also nicht unterschätzt werden. Selbst wenn alle Beteiligten meinen alles richtig zu machen und man bei einer etablierten Plattform anlegt, kann es mit Verlusten enden. Zweistellige Zinssätze weisen aber von Anfang an auf dieses Risiko deutlich hin. Ich bin so oder so mit einem blauen Auge davongekommen und bleibe in Zukunft vorsichtig.




Montag, 20. Januar 2020

Fidor - oder wie tief kann man als Bank sinken?

Es läuft wirklich nicht rund bei der Fidor. Das Thema schafft es genau so sogar bis ins Handelsblatt.

Nicht nur, dass man für eine Onlinebank ohne große Alleinstellungsmerkmale inzwischen recht happige Gebühren verlangt, dass die Muttergesellschaft die Bank lieber heute als morgen loswerden will das aber nicht hinbekommt, nein auch der Webseitenauftritt inklusive einstmals hochgelobte Community verkommt zur Farce.

Werbung überall. Auf einer bankseite, wo ich für mein Konto Gebühren bezahlen soll? Sehr seltsam.

Die Community wird mittlerweile stark zensiert. So wurde z.B. ein Link auf den o.a. Handesblattartikel ebenso schnell gelöscht wie einige andere Fragen oder Anmerkungen. meist ohne Hinweis an den Ersteller. Was wirklich nur dann geht, wenn es sich um offensichtlich beleidigendes oder aus anderen Gründen inakzeptables Geschreibsel handelt (was durchaus auch einmal vorkommt), nicht aber bei kritischen Fragen oder Anmerkungen zur Bank. Zum Teil sind das übereifrige Moderatoren, zum Teil aber auch der Kundenservice selbst, der eigentlich Besseres zu tun hätte, als hier den Schein der heilen Fidorwelt durch Kommentarlöschungen aufrecht zu erhalten.

Grund für Kritik gibt es im Moment mehr als genug. Nicht nur dass die Technik die Kunden im Stich lässt, so dass zum Beispiel Anfang Januar Daueraufträge nicht ausgeführt wurden, man hat es nicht mal nötig, seine Kunden darüber zu informieren. Statt dessen wurden diese dann kommentarlos Wochen (!) später ausgeführt, nachdem man die Aktion mittlerweile händisch bereinigen musste.

Aber sich mit der Kritik konstruktiv auseinanderzusetzen ist nicht Fidors Ding. Da löscht man lieber den entsprechenden Hinweis.

Lange leben solche Unternehmen nicht. Aber vielleicht ist genau das das Ziel.

Freitag, 17. Januar 2020

P2P - der Spreu trennt sich vom Weizen

 Große Aufregung diese Woche bei den Anlegern baltischer P2P Plattformen. Nach dem ganzen Wildwuchs in den letzten zwei Jahren geht jetzt der Sensenmann rum.
Bislang erwischte es definitiv Kuetzal. Die Plattform hat ihr Ende angekündigt. Ob da noch etwas ordentlich abzuwickeln ist, bleibt zweifelhaft. Man spekuliert über SCAM, ob die Gelder der Investoren jemals überhaupt oder zumindest nur teilweise in Projekte angelegt wurden wird hinterfragt. Konten wurden eingefroren, die Polizei ermittelt. Da dürfte einiges Geld verloren worden sein.
Und wir Anleger fragen uns natürlich, wiecviel weiß ich eigentlich über das Unternehmen, bei dem ich da anlege? Gibt es die Firma überhaupt? Wer auf Nummer sicher gehen will, bleibt bei den großen, mittlerweile etablierten Firmen wie Bondora oder Estateguru. Auch Mintos wirkt solide, dass gibt aber nicht für alle LOs, deren Kredite dort vertrieben werden. Da ist manch eher dubiose Gesellschaft dabei. we Anleger auch schon schmerzlich erfahren mussten. Und Mintos hält siche eher bedeckt.

Mit in den Sog von Kuetzal gerieten envestio und monethera. Ein schlechter Ruf kann für eine solche Gesellschaft schnell das (Liquiditäts)ende bedeuten, auch wenn man sich nichts zuschulden kommen hat lassen. Allerdings lässt die versuchte Schadensbegrenzung auf sozialen Medien potenzielle Anleger doch eher zurückzucken. Da fließt gerade viel Geld ab und in ein solch fallendes Messer sollte man nicht greifen.

Ich bin zum Glück vorsichtig gewesen und habe bei keiner der genannten ein Konto. Das alleine bewahrt mich allerdings auch nicht vor Verlusten. Ich will moneything ganz bestimmt keine Machenschaften unterstellen, aber deren Geschäftsmodell ist auch krachend an die Wand gefahren und etliche Millionen stecken noch in Krediten, die völlig illiquide sind und wohl auch nicht zur Gänze zurückbezahlt werden. Wenn überhaupt nach langer Zeit Geld fließt, mindestens einer der Kreditnehmer hat dort auch Betrug begangen, seine Sicherheiten vielfach hinterlegt und sich mit dem geliehenen Geld davon gemacht. Aufgeflogen ist das erst nach Jahren.

So oder so, zweistellige Zinssätze bedeutet immer ein entsprechendes Risiko. Angebliche Sicherheiten, buyback "Garantien" hin oder her. Das unverzinste Kapital auf den Tagesgeldkonten drückt - da lässt sich mancher auf waghalsige Geschäfte ein, die er oder sie später bereut. Alles schon mal dagewesen. Die Tulpenzwiebeln grüßen.

Sonntag, 5. Januar 2020

"Fixed interests" - crude Ideen von Bondora

Bondora entwickelt sehr krativ neuartige Rückzahlungspläne für Kredite aus Finnland - wider besseres Wissen und elementare Mathematik. 

 Der Witz an einem Anuititätendarlehen ist es, dass die aussehende Restsumme jeweils zum gleichen Zinssatz verzinst wird. Was auf den ersten Blick für den Anfänger etwas verwirrend aussieht, weil die (absolut zu zahlenden) Zinsen ständig sinken und der Gesamtzins nur in etwa der Hälfte der Zinssumme ohne Rückzahlung entspricht.

So ist allerding für beide Seiten für Gerechtigkeit gesorgt, auch wenn der Kredit vorzeitig abgelöst wird oder verkauft. Die Rendite bzw. der zu zahlende Effektivzins entspricht für jeden Zeitraum dem genannten Wert (bei dem Kreditnehmer kommen allerdings noch Gebühren obendrauf).


Zuerst glaubte ich ja an einen Bug, als ich das erste Mal von den "neuartigen" Rückzahlungsplänen bei finnischen Krediten hörte. Die sehen jetzt z.B. so aus:

Date Amount Principal Interest
03/10/2019 €0.02 €0.02 €0.01
04/11/2019 €0.18 €0.16 €0.02
04/12/2019 €0.18 €0.16 €0.02
07/01/2020 €0.18 €0.16 €0.02
04/02/2020 €0.18 €0.16 €0.02
04/03/2020 €0.18 €0.16 €0.02
06/04/2020 €0.18 €0.16 €0.02
Total €1.11 €1 €0.11


Auf den ersten Blick nichts Aufregendes, sozusagen "flat" 18ct Rückzahlunf und 2 ct Zinsen jeden Monat. Die Werte werden hier übrigens gerundet dargestellt, daher stimmt die Summe nicht ganz. Aber außer der ersten Rate (verkürzter Zeitraum seit der Auszahlung) sind sie alle genau gleich.

Und das ist Blödsinn. Denn so liegt die Verzinsung bei den früheren Raten deutlich unter dem Nominalwert, am Ende dramatisch darüber. Insgesamt bei einer Haltedauer über die gesamte Laufzeit stimmt dann die Rendite.

Diese Pläne scheinen bei alle Krediten aus Finnland seit Oktober (?) so gestaltet zu sein. Ein Information von Bondora dazu? Gibt es nicht.

Auf Rückfrage stellte sich heraus, dass es sich nicht um einen Bug handelt. Die Gesamtrendite  stimme ja. Das Risiko einer niedrigeren Rendite bei vorzeitiger Rückzahlung sei in den Zinssatz "eingepreist".  Zu bemerken ist, dass die Zinssätze aber gleichzeitig deutlich gesenkt wurden.

In diesem Zusammenhang ist es interessant, dass der maximal erlaubte Zinssatz in Finnland auf 20% Effektivzins gedeckelt wurde, aber allein der beim Anleger angekommende Zins weiterhin knapp 40% beträgt. Außer für die ersten Raten. Da bleibt er bei 20%. Koinzidenz? ??

Insgesamt spielt Bondora hier ein sehr undurchsichtiges aber auch ein sehr riskantes Spiel. Ich werde definitiv die Finger von finnischen Krediten lassen. Vielleicht sogar ganz von Bondora.

Da kommt natürlich auch Go&Grow ins Spiel. Wenn Bondora hier mit seinen Winkelzügen etwas massiv an die Wand fährt, ist man auch da besser nicht allzu massiv investiert. Das Risiko hat sich aus meiner Sicht hier plötzlich stark erhöht.