Freitag, 13. Mai 2022

Strategien bei seedrs

 Nun ja, die einzig wahre ist: was sich gut entwickelt, immer weiter zukaufen :)

Nur so einfach ist es nicht ganz. Deshalb ein paar Bemerkungen von mir aus meinem Kurzen Erfahrungsschatz.

1) Exit heißt nicht immer Gewinn. Es kann eine Übernahme kommen, wo man gerade seinen Einsatz und vielleicht noch ein Butterbrot drauf bekommt. Das bringt einem nicht weiter. Um die zwangsläufigen Verluste anderer Beteiligungen aufzufangen, ist ein echter Erfolg erst bei einer Vervielfachung des Einstiegskurses zu verzeichnen.

2) Exit heißt nicht immer realisierbar. Je nachdem, an was für einem Handeslplatz man landet. Und wie hoch das Ausgangsinvestment war, können mangelnde Liquidität und/oder hoher Marklergebühren einem den Spaß verderben. Zusätzlich gelten meist Haltefristen, inzwischen kann sich die Anfangseuphorie legen.

Zwischenfazit 1: Es kann lukrativer sein, auf dem Zweitmarkt auszusteigen. Zumindest deutlichebequemer und mit faireren Gebühren.

3) Was tun bei hahen Wertsteigerungen der nachfolgenden Runden?
Nicht immer ist es günstig, gleich nachzuinvestieren. Oftmals kommt man am Zweitmarkt nach dem Abschluss der neuen Runde deutlich billiger an weitere Anteile. Vielmals trennen sich Altanleger zumindest von einem Teil ihrer Bestände, insbesondere wenn "ihre" Runde schon lange vorbei war und die steuerlichen Vergünstigungen (EIS etc, leider nur für Briten nutzbar) abgelaufen sind.

4) Convertibles lohnen oft nicht.
Ein Beispiel: vor einiger Zeit hatte ich eine kleine Summe in CreditSpring investiert. Nach etwa 15 Monaten wurde gewandelt, und ich bekam die Aktien zu einem um 20% rabattierten Preis. Das ist ja nicht so schlecht, immerhin 25% Wertsteigerung. Wenn sich das realisieren lässt. Allerdings: ich hatte dann auch, mehr oder weniger zu pari, auf dem Zweitmarkt nachgekauft. Diese Anlage hat sich mit der letzten Wertanpassung verfünffacht. Ganz was anderes.
Trotzdem kann es sich lohnen, mit einer kleinen Summe einzusteigen, um an die Informationen der Updates und im Diskussionsforum zu kommen. Die sind oft Gold wert.

5) Kleinvieh macht wenig Mist, dich aber zum Insider.
Klar es ärgert einem, wenn ein Investment sehr gut läuft und man war nur mit 10-20 Pfund dabei. Auch die Gebühren sind dann prozentual deutlich höher. Aber wie oben erwähnt, kann man sich dadurch Informationen sichern, an die man sonst nicht käme. Aus dem gleichen Grund kaufen sich Leute oft Anteile in Minibeträgen auf dem Zweitmarkt, wo man sich ob der erzielten Aufschläge die Augen reibt.

Zwischenfazit 2: Informationen sind alles. Und die bekommt man meistens nur mit eigenem skin-in-the-game. Allerdings muss man auch darauf achten, sich nicht zuviel zuzumuten. Man kann schlecht hunderte von Unternehmen gleichzeit im Blick behalten.

6) Das Team ist das wichtigste. Und die einfachste Information dazu ist zu beobachten, wie man mit den Anlegern umgeht. Kommen regelmäßig Geschäftsberichte? Auch mit Zahlen und nicht nur blabla? Klar gibt es Blender, aber selbst wenn, ziehen sie trotzem erstmal den Kurs nach oben.

7) Auf frühe Anzeichen achten. Bei den meisten Anteilen, die den Bach runter gingen, zeichnete sich vorher etwas ab. So rechtzeitg, dass man noch ohne zu massive Verluste aussteigen konnte. Wenn der Titel nicht sehr frühzeitig am Zweitmarkt gesperrt wurde, was manchmal auch passiert.

Fazit 3: auch mal liquidieren ist keine dumme Idee. Natürlich nicht unbedingt die 10€-Anteile. Aber wenn das Bauchgefühl "nicht mehr gut" sagt, sollte man darauf hören. Es gibt genügend andere Investitionsmöglichkeiten, und ab und zu verpasst man halt was.
Letztlich muss jeder wissen, wie sehr ihn Verluste/entgangene Gewinne ärgern. Das wird dann das Maß der Vorsicht bestimmen.

Seedrs kann süchtig machen. Und das Geld ist alles andere als liquide. Dessen sollte man sich bewusst sein.

Mittwoch, 27. April 2022

Estateguru - neue Finanzierungsrunde

 Heute (27.4.) ist die 3. FInanzierungsrunde von Estateguru bei seedrs gestartet. Man sucht mindestens 500k€, bereits nach 2 Stunden sind schon rund 150% finanziert. Die Nachfrage ist also groß.

Doch gerade für Neueinsteiger heißt es genau hinschauen. Die 3. Runde ist im Gegensatz zu den ersten beiden keine Direktanlage in Anteile sondern ein sogenannter convertible loan. Das ist so etwas wie eine Wandelanleihe und gibt es bei seedrs immer mal wieder, in verschiedenen Ausprägungen.

Ein Blick auf das "Kleingedruckte" oder die "key information" verrät uns:

- es gibt bei der Umwandlung in Aktien später 20% Rabatt. Das würde einem Gewinn von 25% entsprechen (wenn man ihn realisieren kann).

- der sogenannte valuation cap beträgt über 200Mio € (im Vergleich zu einer aktuellen Bewertung von 55Mio).

- Keine Zinsen, 2 Jahre maximale Laufzeit.

OK. Was bedeutet das ganze? Gibt es die nächste Runde (mindestens 1 Mio), bekommt man die investierte Summe in Anteile umgewandelt, zu einem Preis von dieser Runde minus 20%. Egal wie groß die Wertsteigerung bis dahin war. Es sei denn, der valuation cap würde übertroffen. Also Estateguru ist dann schon z.B. 1Mrd wert. Dann würde man ein Schnäppchen machen. Ist aber nicht sehr wahrscheinlich, denn der ist schon arg hoch angesetzt.

Wenn zwei Jahre nichts passiert under nur sehr kleine Finanzierungsrunden stattfinden 36,07€ oder dem ggf. niedrigeren Preis einer Runde (dazwischen), kein Rabatt.

D.h. die Gewinnaussichten sind recht begrenzt, das Risiko ist aber genauso da wie bei einer "normalen" equity-Runde.

OK. 25% sind nicht schlecht. Wenn die nächste Runde relativ bald stattfindet. Aber vom Hocker reißt das Angebot jetzt nicht unbedingt.

Ach, und was man beachten sollte: auf dem Zweitmarkt kann man erst nach der Umwandlung handeln. Das wird eine längere Zeit dauern. Prinzipiell sind ja alle Investionen bei seedrs und dergleichen als langfristige zu betrachten, hier gibt es aber erstmal gar keine Ausstiegsmöglichkeit. 

Ich habe schon beides erlebt (trotz meiner noch nicht allzulangen Geschichte bei seedrs): insbesondere bei kleinen Firmen, bei denen der valustion cap zog eine enorme Wertsteigerung (5fach) auch bei convertibles oder eben 25% (bei 20% Rabatt, man muss ja umgekehrt rechnen) während die "echten" Anteile sich gerade ebenfalls verfünffachten. Das war dann für ein gutes Jahr Anlagezeit zwar auch nicht schlecht, aber man ärgert sich trotzdem, weil ein Kauf auf dem Zweitmarkt selbst mit deutlichem Aufschlag viel lohnender gewesen wäre. Und realisiert ist der Gewinn ja dann noch keinesfalls, nach solchen Kurssprüngen verkauft sich erstmal auf dem Zweitmarkt sehr schlecht.

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Wer sich beteiligen will und bislang noch nicht bei seedrs angemeldet war, sollte unbedingt den Neukundenbonus von 30€ (bzw. 25 Pfund) mitnehmen. Dazu muss man mindestens 200€ investieren. Den gibt es über einen Werbelink, z.B. diesen https://www.seedrs.com/signup?promo_code=Y4DCJ677

Natürlich kann man die 200€ oder 150L auch in andere Anteile investieren, muss man nur innerhalb von 4 Wochen nach der Anmeldung machen ;)

Sonntag, 24. April 2022

Ein Jahr bei peerberry - kein guter Zeitpunkt.

Peerberry ist eine P2P-Plattform, die Kreditanteile aus vielen verschiedenen Ländern anbietet. Es gibt Kurzläufer (30 Tage, teilweise auch darunter) und Kredite über längere Laufzeiten, bis zu mehreren Jahren. Die Verzinsung beträgt, je nach Land und Marktlage, ca. 9%-13%. Über ein Bonusprogramm für höhere Anlagesummen erhöht sich der Zinssatz zusätzlich um 0,5-1%.

Das ganze funktioniert normalerweise sehr unaufgeregt: Geld überweisen, Kredite aussuchen oder Autoinvest verwenden, Rückzahlung abwarten (häufig etwas verspätet, das wird aber verzinst), gegebenfalls Geld rücküberweisen (geht sehr schnell).

Allerdings liegt das Problem bei den Ländern, aus denen die Kredite kommen. Neben Vietnam, Lithauen und Polen sind da eben auch Moldavien und Kasachstan dabei. Und dann auch Russland und die Ukraine. Bzw. waren dabei. Ihr könnt euch vorstellen, dass das gerade nicht so einfach ist.

Als Ende Februar der brutale Überfall doch für die meisten von uns recht überraschend stattfand, hatte ich ca. 1/4 russische und sehr wenige ukrainische Titel im Depot. Wie schon zuvor bei der kurzen Krise in Kasachstan (von der keiner mehr spricht) reagiert Peerberry rasch und umsichtig.

Das ist ja eine Situation, vor der wir uns (finanziell) immer fürchteten, was passiert nun? Überraschenderweise flossen die Rückzahlungen aus der Ukraine zunächst weiter. Neue Kredite gab es unmittelbar keine mehr. Einen Zweitmarkt hat peerberry nicht.

Sehr bald gab es erste Ansagen. Die Aventus-Group, aus durch die betroffenen Kredite finanziert wurden, übernimmt die Verantwortung und zumindest die ausgeliehene Kreditsumme soll zurückbezahlt werden. Zinsen aber nur bis zur buy-back-Grenze (also 2 Monate nach Fälligkeit). Das ganze soll über etwa zwei Jahre Zug um Zug abgewickelt werden.

Das ist ein überraschend guter Plan für die Anlager. Ich hätte mit deutliche höheren Verlusten gerechnet und in der ersten Panik sicherlich auch einer 50%-Rückzahlung (bzw. einem entsprechendem Verkauf auf dem Zweitmarkt) zugestimmt.

Erste Zahlungen haben im April stattgefunden. Sogar mehr, als zunächst versprochen. Über 10% des Ausstands sind bereits beglichen, die Plattform selbst spricht sogar von 23%. 

Alle anderen Länder laufen übrigens wie gehabt weiter. Es gibt ein großes Angebot und die Zinssätze haben sich zumeist um ca. 2% erhöht.

Fazit: Peerberry macht einen extrem guten Job. Zwar steht bei mir noch eine Summe von ca. 300% der in einem Jahr erwirtschafteten Zinsen aus, dennoch bin ich guter Dinge und positiv überrascht. Russische Kredite würde und werde ich natürlich nicht mehr kaufen, aber hinterher ist man immer schlauer. Ich hatte zunächst ca. 1/4 meiner Anlagen abgezogen, den Rest habe ich nun aber fortlaufend wieder reinvestiert und werde dabei bleiben. 

Ein Risiko besteht bei p2p-Krediten immer, die Ursachen können höchst unterschiedlich sein. Daher kommen halt auch die hohen Zinsen. Trotzdem droht nicht immer gleich der Totalverlust. Die Auswahl der richtigen Plattform ist entscheidend (aber nicht einfach).

Wer mehr darüber wissen will kann auch den Blog https://peerberry.com/blog/ anschauen.


Freitag, 22. April 2022

Estateguru - der Zweitmarkt

Seit einiger Zeit bietet Estateguru auch einen Zweitmarkt an. Die Gebühren sind happig - ganze 2% der Erlössumme werden für den Verkäufer fällig. Entsprechend ist das Angebot, denn die meisten versuchen diese Gebühr durch einen entsprechend angehobenen Preis auszugleichen.

Die Nachfrage ist die meiste Zeit relativ hoch, vorallem, wenn es wenig attraktive Angebote auf dem Erstmarkt gibt (zur Zeit gibt es die allerdings). Von daher nutze ich den Zweitmarkt meistens nur auf der Verkäuferseite, um mich von ungeliebten Krediten zu trennen. Meistens Kredite, bei denen ich ungeduldig werde, weil die Rückzahlungen auf sich warten lassen. Dann verzichte ich gerne auf einen Teil der Rendite oder nehme bei ausgefallenen Krediten sogar einen kleinen Verlust hin. Das ist mir lieber, als Jahre auf eine Rückzahlung zu warten. Auch wenn die früher (oder eher später) meistens kommt. Aber in dieser Zeit kann dann man Geld schon anderswo Rendite erwirtschaften. Und es fühlt sich für mich einfach besser an, auch wenn es vielleicht ein paar Cent an Rendite kostet.

Oft frage ich mich, wer warum das Zeug eigentlich kauft. Ist es der Cashdrag, der einen leichtsinnig werden lässt? Hoffnung auf Outperformance kann es eigentlich nicht sein.

Naja, einmal bin ich selbst in diese Falle getappt. Bei einem Kredit in Verzug gab es gute Nachrichten. Oder eher, die Aussicht auf solche - wie so oft im Kreditgeschäft werden Versprechungen nicht oder zumindest nicht so bald eingelöst.

Und ich hatte gerade Unmengen an Cash auf dem Konto. So habe ich mir einen für meine Verhältnisse großen Anteil von knapp 500€ gegönnt, mit der Aussicht auf eine kurze Restlaufzeit und ganz ordentlichen Zinsnachzahlungen.

Die Zinsen kamen dann, nach ca. 4 Monaten. Die Rückzahlung erstmal nicht. Nun, weitere vier Monate später war es dann soweit. Doch seht selbst:

Das war am Ende gut gegangen! Gut 12% in etwa 8 Monaten, das hat sich gelohnt.

Insgesamt bin ich immer noch immer von estateguru überzeugt, kaufe aber Kredite nur sehr selektiv und fast ausschließlich auf dem Erstmarkt. Meistens aus dem Baltikum, vor allem aus Estland. Spanische oder andere exotische Kredite kommen mir nicht ins Portfolio. Auch bei Krediten aus Deutschland bleibe ich sehr skeptisch. Aber bislang stimmt die Rendite - ich bin von Anfang an dabei, habe praktisch alle Erträge reinvestiert und komme auf zweistellige Jahreserenditen. Die Ausfälle sind verschwindend gering. Insgesamt inklusive meiner mit leichten Verlusten behafteten Verkäufen senken sie die Rendite um nicht einmal 0,1%.


Werbeblock:

Wer noch nicht bei esteteguru angemeldet ist, kann das über diesen Link machen. Dann gibt es für uns beide jeweils 0,5% Cashback für die Investitionen der ersten Wochen.

Auch attraktiv ist eine Beteiligung als Anteilseigner von estateguru bei seedrs. Die nächste Runde steht unmittelbar bevor. Ich habe mich schon bei den ersten beiden Runden eingekauft und ordentliche Wertsteigerungen erlebt - und bin auch für die nächste Runde optimistisch!

Wer noch nicht bei seedrs registriert ist, sollte das unbedingt über eine Empfehlung machen. Investiert man dann binnen 30 Tagen insgesamt mindestens 150 Pfund (knapp 200€), erhält man (nach längerem Warten) 25 Pfund oder den entsprechenden Gegenwert in Euro gutgeschrieben. Das ist eine ganz ordentliche Prämie! Gilt natürlich nicht nur für estateguru-Anteile.
Hier der Link: https://www.seedrs.com/signup?promo_code=Y4DCJ677

Bei beiden Investitionen gilt natürlich das Risiko abzuwägen, das wisst ihr ja. Investieren bei estateguru ist sicherlich weniger aufregend als in estateguru, was Risiken aber auch Chancen angeht.



Samstag, 8. Januar 2022

Lohnt Bondora immer noch?

 Ich hatte ja ziemlich von Anfang an bei Bondora investiert, ab 2012. Von smava und auxmoney kommend, hatte mich Claus Lehmann, der deutsche P2P-Guru, auf die Idee gebracht. Das war anfangs schon ein bisschen unheimlich, Geld ein in unbekanntes östliches Land zu überweisen und dafür zweistellige Zinsen zu bekommen. Ziemlich bald waren da auch über 20% Standard. Und diese Gründerjahre waren auch die ertragreichsten.

Das zeigt die nachfolgende Grafik:


Wie man sieht, habe ich sehr viel auf dem Zweitmarkt verkauft (blau), und noch mehr gekauft. Seit 2020 kaufe ich auch vermehrt rote Kredite mit Abschlägen von 35-85%.

Bis 2017 gibt es praktisch nur eine Säule. Das bedeutet, dass sich keine Kredite (außer abgeschriebene) aus diesen Jahren mehr in meinem Depot befinden. Die Erwerbungen aus dem Jahr 2012 haben ca. 123% Rückflüsse gebracht, bis 2018 habe ich alles Geld das ich angelegt habe wieder zurück.

Die ausgefallenen Kredite sind nach unten abgetragen, aus dem Jahr 2015 sind da z.B. noch rund 17% meiner Investitionen übrig, die eigentlich getilgt sein müssten. Aus diesem Jahr habe ich bislang nur 4% mehr erhalten als einbezahlt. Das täuscht aber etwas, der reale Rendite ist sehr viel höher, da ich über die Hälfte meiner Käufe nur sehr kurz behalten habe.

Kommt für das Jahr ein zweiter Balken dazu, so habe ich Teile dieser Papiere noch. Grün bedeutet rechts noch ausstehende Kreditsummen, die nicht im Verzug sind, links hingegen durch Tilgung zurückbezahlte. Rechte rote Balen sind Kreditraten im Ausfall, die noch in der Zukuft liegen (was faktisch nicht viel ändert).

Laut Bondora beträgt meine Rendite gut 13%. Das stimmt inzwischen ganz gut mit meinen eigenen Abschätzungen überein. Sie sinkt im Laufe der Zeit immer noch leicht ab, weil ausgefallene Kredite zunächst keine Zinsen zahlen (es gibt solche, ja. Wieviel lässt sich kaum vorhersagen).

Ok, schauen wir uns ein neueres Portfolio an. Meine Kinder sind auch alle bei Bondora, mehr oder weniger aktiv. Eine Zeitlang lief da ziemlich viel über Bots, im letzten Jahr wurde mehr und mehr zu go&grow umgeschichtet. Aus den Erträgen lässt sich dann mal ein kleiner Urlaub finanzieren. Für eine Immobilie recht es nicht ;)

Das Portfolio von O. läuft seit gut 5 Jahren. Es wurde anfangs viel gehandelt, aber niemals rote Kredite gekauft. Trotzdem ist deren Anteil inzwischen bei über 30%. Ausfälle gehören bei Bondora eben dazu.

Mit 23% Rendite liegt O. auf Platz 25 der Bondora-Rangliste. So sieht die Depotentwicklung aus:


Zum Zeitpunkt der Coronakrise 2020 wurde g&g (noch vor allen Einschränkungen) aufgelöst und seit dem vergangenen Sommer wieder bespart (blaue Linie). Die grüne Linie gibt die Gewinne an und wächst beständig. Immer noch.

Etwas konkreter zeigen das die monatlichen Nettoerträge auf, bei denen Bondora angibt, um wieviel die bezahlten Zinsen die nicht bezahlten Tilgungsraten ausgefallener (oder auch verspäteter) Kredite übersteigen:


Bis auf zwei Monaten mit größeren Abscheibungen stets positiv. Die Anlage rentiert sich also. Aus Inkasso kommt dabei noch nicht sehr viel:


Der Balken ganz links sieht zwar beeindruckend aus, absolut ging es aber um weniger als einen Euro. Die Ausfälle sind noch zu frisch, um größere Inkassozahlungen zu generieren.

Wie ist die aktuelle Strategie? Inzwischen stecken über 60% in go&grow um Sicherheit und Liquidität zu erhöhen. Trotzdem wird noch regelmäßig per Portfoliomanager Pro gekauft. Danach findet ein cherry-picking statt. Etwa 1/3 der (sowieso nur aus Estland stammenden) Kredite wird mit kleinen Aufschlägen von 1-3% auf dem Zweitmarkt vertickt. Das klappt in etwa der Hälfte aller Fälle. Käufe auf dem Zweitmarkt finden so gut wie nicht mehr statt (da haben wohl andere schnellere Bots).

Recht selten schaue ich mir auch die Kredite nach letzter Zahlung sortiert an und verkaufe die mit schlechter Zahlungshistorie. Mit den o.a. Aufschlägen.

Abschließend auch hier nach die gleiche Grafik wie bei meinem Konto:

Zunächst fällt auf, dass in den Jahren 2016-19 90% und mehr der Kredite (gleich) wieder verkauft wurden. Anders ist eine soch exzellente Rendite auch gar nicht möglich. Von daher stehen aus diesen Jahren auch nur sehr wenige Ausfälle an. Bislang steht jedes Jahr für sich mit einer positiven Bilanz da.

Die Kredite sind zu 95% aus Estland. Auch das trägt zur besseren Performance bei.

Fazit: Die Strategien der vergangenen Jahre sind nicht mehr möglich. Handeln auf dem Zweitmarkt mit 1€-Anteilen macht nicht wirklich Sinn, wenn es nicht vollkommen automatisiert abläuft. Es werden zwar weiterhin Gewinne erwirtschaftet, doch ist es aus meiner Sicht zweifelhaft, ob diese (zumindest bei rein passivem Investieren) g&g deutlich übertreffen.

Von manchen wird sogar angezweifelt, ob die g&g-Rendite von 6,75% im Moment überhaupt erwirtschaftet wird. Da hier viele Kredite aus Finnland und Spanien vorhanden sind, ist dieser Zweifel nachvollziehbar. Ich rechne hier auch mit langfristig sinkenden Zinsen. Zu 5% würde ich mein Geld dort allerdings nicht mehr anlegen.