Mittwoch, 16. September 2020

Bondora unter der Steuerlupe

Vorbemerkung/disclaimer: das wird ein längerer Artikel und ein mögliches how-to. Der Autor ist kein Steuerberater. Von daher wird hier keinerlei Empfehlung gegeben, sondern lediglich angegeben, worauf man achten muss und wie es möglich ist, sich die benötigten Daten überhaupt zu beschaffen. Bei höheren Einkünften empfiehlt sich eine Fachfrau (Steuerberaterin) hinzuzuziehen oder den Fall mit dem Finazamt zu besprechen. Auf viel Erfahrung mit p2p-Erträgen wird man dort allerdings nicht stoßen.

Grundlagen

Einkommen sind zu versteuern. Einkünfte zu verschweigen kann empfindliche Strafen nach sich ziehen. Aus Steuereinnahmen werden grundliegende Staatsaufgaben finanziert. Auch wenn nicht jedem jede Ausgabe als sinnvoll erscheint, so wurden die Entscheidungen doch von demokratisch gewählten Vertretern getroffen und sind daher zu respektieren. Einen Teil der Kapitaleinkünfte an das Gemeinwesen abzugeben und damit u.a. Infrastruktur oder Kindergärten zu finanzieren sollte daher nicht nur negativ betrachtet werden. Über Gerechtigkeit lässt sich sicherlich streiten. Die momentane Situation der (in den meisten Fällen geringeren) Kapitalertragsteuer benachteiligt Anleger zumindest nicht gegenüber anderen Einkünften.

Alles, was den persönlichen Freibetrag überschreitet unterliegt der Besteuerung. Bei der Einkommenssteuererklärung wird die Berechnung auf Grundlage der Angaben in der Einkommenssteuererklärung automatisch vorgenommen. Bei inländischen Kapitalerträgen zieht die Bank (nach Abzug des eingereichten Freistellungsauftrags) die Steuern bereits ab, so dass die Anlegerin meistens eher Geld zurück erhält. Bei p2p-Anlagen ist dieser Quellensteueransatz im Moment nicht gegeben, egal ob im Inland (z.B. auxmoney) oder im Ausland (z.B. bondora). Die entsprechenden Plattformen können allerdings zu Kontrollmitteilungen an das zuständige Finanzamt aufgefordert werden. 

Solche unversteuerten Erträge sind anzugeben und, auf Aufforderung, zu belegen. Idealerweise bekommt man daher von der jeweiligen Bank/Plattform eine Jahressteuerbescheinigung. Dann muss man für die Steuererklärung nur ein paar Summen berechnen, den Rest macht dann das Finanzamt und fordert die Steuern ein. Je nach Ertragslage wird das auch zu Vorauszahlungen für die Folgejahre führen. Das schmerzt dann gleich doppelt: Nachzahlung und Vorauszahlung für das laufende Jahr sind dann sofort fällig.

Im folgenden beschränke ich mich auf Bondora, wo die Ertragsermittlung besonders kompliziert ist.

Folgende Ertragsarten können bei Bondora anfallen:
  • Zinsen, Verzugszinsen, Strafzinsen aus Kreditanteilen. Diese stellen kein Problem dar, weil sie von Bondora gut ausgewiesen werden und auch auf der Steuerbescheinigung korrekt sind.
  • Zinsen aus Go&Grow. Hier fährt Bondora eine eigenwillige Ansicht, dass die Zinsen, obwohl jeden Tag berechnet und gutgeschrieben, erst bei endgültigen Auflösen des Kontos anzurechnen sind. Ob das Finanzamt diese Ansicht teilt ist fraglich. Zudem können Nachteile entstehen, wenn z.B. Freibeträge dadurch nicht ausgeschöpft werden oder der Steuersatz in Zukunft höher liegt (wofür leider eine gewisse Wahrscheinlichkeit besteht).
  • Gewinne aus Zweitmarktgeschäften. Diese werden grundsätzlich bescheinigt und sind für die meisten Anleger so auch brauchbar, insbesondere wenn man keine oder wenige Zweitmarktkäufe tätigt oder wenn man zumindest keine Kreditanteile mit starken Abschlag kauft und behält. Anderenfalls zahlt man (zunächst) deutlich zuviele Steuern, wenn man sich an die Bondoraberechnungen hält. Warum? Bondora rechnet den Unterschied zwischen Kaufpreis und ausstehendem Kapital (zu pari!) als Sofortgewinn. D.h. wer einen Inkassokredit mit 100€ Nennwert für 15€ kauft, hat, bis zum Wiederverkauf oder endgültigem Ausfall 85€ Gewinn gemacht und muss diese versteuern. Dazu später mehr.
  • Gebühren aus Inkassozahlungen mindern, sobald die ausstehenden Zinsen "aufgebraucht" sind das Eigenkapital des Kredits und sind als Verluste abschreibbar. Ebenso werden manche (eher wenige) Inkassokredite auch vor der kompletten Rückzahlung endgültig abgeschrieben und führen zu Verlusten. Diese Verluste werden auf der Steuerbescheinigung ausgewiesen. Sie können gegengerechnet werden - gegen was alles fragt bitte euren Steuerberater. Ob nur gegen Verkaufsgewinne oder auch Zinsen, oder Einnahmen bei einer anderen Plattform, schwierige Frage.
  • Gewinne können auch erzielt werden, wenn ein mit Abschlag eingekaufter Kreditanteil mehr (Tilgung) zurückbezahlt hat als den Kaufpreis. Nach meinem Verständnis in dem Jahr, in dem die "Überzahlung" stattfand. Das führt zu komplizierten Berechnungen.

Prinzipiell ist die Steuerbescheinigung von Bondora konfigurierbar. Überlegt euch also bevor ihr etwas beim Finanzamt abgebt gut, welchen Posten ihr da stehen haben möchtet. Go&Grow ist leider nicht enthalten. Wie gesagt, ein einfaches Weglassen ist keine Lösung. Wenn ihr korrektere Ertragsberechnungen verwenden wollt, müsst ihr diese selbst durchführen und gegebenfalls dem Finanzamt gegenüber schlüssig begründen können. Das können dann leicht mal einige hundert bis zehntausende Einzelbuchungen werden. Von Hand ist da sowieso nichts mehr zu machen.

Vorschläge zur Berechnung folgen.

Ideen zur Ermittlung

Go&Grow lasse ich mal außen vor. Ich denke, Bondora wird früher oder später noch die gutgeschriebenen Zinsen in den Report in der summarischen Übersicht mit aufnehmen, ansonsten ist das einfachste am Jahreende jedes Mal einen Screenshot zu machen und die Differenz zu bilden. PDF in Excel umwandeln geht auch.

Zinsen und Abschreibungen werden wie gesagt korrekt im TaxReport ausgewiesen, wir werden sie aber zu Kontrolle auch selbst noch berechnen.

Ich bin noch in der Testphase, aber bislang sieht alles machbar aus. Ich generiere die Zahlen aus dem "income report" genauer gesagt brauche ich zwei davon. Einen nenne ich "Vorgeschichte", er umfasst den kompletten Zeitraum bis mein Steuerjahr anfängt, also z.B. von 2012-31.12.2019. Der zweite, "Aktuell" ist dann das Jahr, für das Steuern anfallen, also 1.1.20-31.12.20.

Meine Auswertungen werde ich mit access vornehmen, denn es handelt sich bei mir um rund 20.000 Zeilen. Soviele Kredite haben cashflow generiert (nicht unmittelbar Einnahmen).

Nun gibt es einige Fälle zu unterscheiden:

  1. Interest und penalties - wie gesagt, nur zur Kontrolle, werden einfach alle aufsummiert.
  2. Das gleiche fürWriteOffPrincipal und DebtServicingCostPrincipal - die Abschreibungen.
  3. Jetzt verknüpfe ich die beiden Tabellen anhand der Kreditnummer. Dafür gibt es in access den Right Join-Befehl. Anschaulich gesprochen füge ich an die Tabelle Aktuell rechts alle Felder von Vorgeschichte mit der gleichen Kredit(anteils)nummer an.
    Aus den Daten der Vorgeschichte ermittle ich einen "virtuellen Kaufpreis". Er ist das Maximum aus (echtem) Kaufpreis und zurückbezahltem Kapital. Warum? Übersteigt die Rückzahlung im Vorjahr bereits den Kaufpreis, dann habe ich diesen Gewinn bereis versteuert.
  4. Für jeden Kredit ist die Differenz aus Kapitalrückzahlung im aktuellen Jahr und virtuellem Kaufpreis (früherer Kauf) bzw. tatsächlichen Kaufpreis (im aktuellen Jahr) als Zugewinn zu rechnen. Sofern positiv.
  5. Das gleiche gilt für die Verkäufe. Hier kann ja bereits ein Teil des Zugewinns in den Vorjahren versteuert worden sein. D.h. die Berechnung ist die selbe wie unter 4.

Das ganze lässt sich umsetzten, aber nicht mal eben in einer Stunde. Fortsetzung folgt. Gerne diskutiere ich Schwächen in meinem Ansatz oder Verbesserungsvorschläge. 

Aussehen würde das Ganze in etwa so:

Übersicht 1-6/2020
Land Verkaufsgewinne Rückzahlungsgewinne Zins Abschreibungen ZinsGesamt vKaufpreis
EE 269,55 € 187,22 € 2.268,20 € -479,93 € 8.314,21 € 68.812,53 €
ES -41,19 € 2,38 € 46,03 € -5,95 € 81,61 € 2.844,65 €
FI -90,54 € 83,30 € 252,35 € -50,44 € 912,53 € 7.328,20 €
SK -262,82 € 0,58 € 10,22 € 0,00 € 26,18 € 597,46 €
Summe
-125,00 € 273,48 € 2.576,80 € -536,32 € 9.334,53 € 79.582,85 €

Dabei bedeutet der Verkaufsgewinn der in diesem Jahr erzielte Gewinn ohne Rückzahlungsgewinne aus den Vorjahren, Rückzahlungsgewinn = Differenz aus Rückzahlungen und Kaufpreis im aktuellen Jahr, Zins=gezahlte Zinsen und Strafen, Abschreibungen=abgeschriebenes Principal und zu Deckung von Inkassokosten genutztes Principal, der Rest sind einfach ein paar Zusatzinfos.

Die Zinsen stimmen bei mir nicht ganz exakt mit denen aus anderen Reporten überein, da vermutlich im income Bericht Fehler sind (Anfrage bei Bondora läuft).

Das accessfile gibt es hier zum Download.

Disclaimer: Die Ausgabe ist nicht zur Vorlage beim Finanzamt gedacht. Der Autor ist nicht kompetent in Fragen Steuern zu beraten und tut das ausdrücklich nicht. Die Berechnungen können inhaltliche Fehler enthalten (falsche Grundidee) oder Fehler bei der Umsetzung der Formeln.

Verwendung: Datei herunterladen und in einem Ordner speichern. Bei Bondora zwei Income reports erzeugen. Der erste vom Beginn der Investitionen bis Ende des Vorjahrs. Der zweite über den relevanten Zeitraum. Datei öffnen, Inhalt aktivieren. Rechter Mausklick auf Aktuell, Tabellenverknüpfungsmanager aufrufen. Beide Kästchen anhaken. Immer zur Eingabe... (unten) anhaken. OK klicken. Zuerst die Datei mit dem relevanten Zeitraum aussuchen. Öffnen. Nun die Datei mit der Vorgeschichte öffnen. (Fenster) schließen. Doppelklick auf Übersicht, und Voilá.

Attraktives Angebot bei Lendermarket

 Bei Lendermarket investiere ich seit Anfang des Jahres und die Plattform schafft es bei mir in meine persönliche top five. Am Anfang war ich noch etwas skeptisch wegen der extrem vielen Verlängerungen. Allerdings wurden diese früher oder später alle zurückbezahlt und auch die mittlerweile gestiegenen Zinssätze wurden kompensiert.

Bis Ende Oktober gibt es bei Lendermarket eine 2% Cashback-Aktion für neu investiertes Kapital (nicht nur für Neukunden). Das ist dann mal wieder ein Renditeturbo. Legt man auf ein Jahr an, so ergeben sich 16% Rendite (der aktuelle Zinssatz beträgt 14%). Kredite sind genügend vorhanden, sonst würde man sich eine solche Aktion ja nicht leisten. Die Laufzeiten gehen normalerweise von ca. 30 Tagen bis zu mehreren Jahren. Mit Verlängerungen muss gerechnet werden. Eine Buybackgarantie greift dann nach 60 Tagen im Verzug (der Kredit kann aber auch im Verzug noch verlänget werden), so dass man schon längere Laufzeiten als ursprünglich geplant einrechnen muss.

P2P ist kein Tagesgeld. Die Liquidität ist nicht immer garantiert, und auch due BuyBackgarantie kann selbstredend nur greifen, solange der Anbieter nicht selbst in Schwierigkeiten kommt. Creditstar, der Betreiber von lendermarket gehört zu den stabileren und hat schon eine gewisse Historie. Allerdings ist sowohl der polnische als auch der spanische Markt, in dem man sich hautsächlich bewegt, von ziemlichen Risiken geprägt. Von daher würde ich nicht versuchen, den maximal möglichen Bonus durch eine Anlage von 250k€ auszureizen. Für eine vierstellige Anlagesumme aber eine interessante Anlagemöglichkeit.

Cashbackaktionen gibt es von Zeit zu Zeit. Immer nur für frisches Kapital und bislang waren es stets nur 1%. Ob es für das Anmelden über den Werbelink Lendermarket noch einen Bonus obendrauf gibt, kann ich euch nicht versprechen.Normalerweise kommt da aber ein weiteres Prozent für die Anlagen der ersten Wochen on top.

Nachtrag vom 19.9.
Bislang waren die Meinungen zu creditstar auch von erfahrenen p2p-Anlegern, auf deren Meinung ich viel gebe, weil sie sich abseits jede Werbelinks äußern (was man mir hier jetzt auch vorwerfen könnte) durchweg positiv. Hier gibt es aber nun einen durchaus ernst zu nehmenden kritischen Artikel:

https://kristapsmors.substack.com/p/creditstar-no-audit-no-problem

Wie gesagt, Anlagen mit Zinssätzen im zweistelligen Bereich sind per se riskant. Ich habe zwar auch aufgestockt, um diese Aktion mitzunehmen. Allerdings sollte man schon nur Geld einsetzen, dessen möglicher Verlust nicht existenzbedrohend ist. Und beobachten, um nicht als letzter auszusteigen, wenn es nicht so gut läuft.

Donnerstag, 20. August 2020

Bondora - kurzer Blick auf das Rating

Man fragt sich ja oft, funktioniert das Rating von Bondora überhaupt? Bei welcher Risikiklasse ist die Rendite am höchsten? Ich werte dazu einmal im Jahr die öffentlich verfügbaren Daten etwas genauer aus. Ich konzentriere mich ausschließlich auf Kredite von Estland, diesmal von 2013-2019. Da ist also schon ordentlich Inkasso dabei. Interessant sind für mich: die durchschnittlichen Zinssätze, die Ausfallrate, und ein Score den ich aus gezahlten Zinsen, Ausfall und recovery berechne und der für mich ein Maß dafür ist, wie sinnvoll die Anlage in eine Kreditklasse ist.

Nach Rating sieht das so aus:

byRating
Rating TotalAmount NumbersOfLoans AvInterest Defaultrate RecoveryRate CredScore
-
4’000.00 € 2 28.76% 70.13% 62.29% 68.35
A 11’669’844.00 € 6545 13.19% 14.00% 21.34% 79.54
AA 12’383’758.00 € 5448 10.23% 7.14% 12.36% 82.17
B 26’743’428.00 € 13418 15.97% 21.13% 20.07% 76.82
C 40’980’496.00 € 16838 21.70% 26.52% 19.03% 73.74
D 40’146’385.00 € 15095 28.95% 33.40% 18.12% 66.05
E 28’601’428.00 € 11504 35.25% 41.04% 16.11% 58.46
F 4’915’666.00 € 2011 37.04% 49.79% 33.54% 76.00
HR 3’651’471.00 € 1461 35.51% 55.20% 54.25% 85.00
Summe
169’096’476.00 € 72322
35.4% 28.57% 74.0  

Folgende Erkenntnisse gewinne ich daraus:

  • Das Rating von Bondora ist aussagekräftig. Es gibt einen monotonen Zusammenhang zur Ausfallrate. Diese beträgt schon bei Risikoklasse D 1/3!
  • Natürlich ist der Zinssatz ebenfalls stark steigend mit der Risikoklasse.
  • Recovery bei HR ist sehr gut, allerdings gibt es da ja auch schon seit längerer Zeit so gut wie keine Kredite mehr.
  • E Kredite sind am schlechtesten, generell die "mittleren" C-E. 
  • Da es keine F und HR Kreite mehr gibt, schneiden bessere Ratings am Ende auch besser ab. Erst Recht, wenn man steuerliche Aspekte hinzu nimmt.

Man kann natürlich beliebige andere Analysen machen. z.B. nach Geschlecht des Kreditnehmers:

byGender
gender TotalAmount NumbersOfLoans AvInterest Defaultrate RecoveryRate CredScore
femal
52’170’546.00 € 21432 24.23% 25.28% 26.02% 77.57
male
116’898’507.00 € 50874 23.02% 30.33% 18.23% 69.26

169’096’476.00 € 72322
28.3% 20.38%

Männer nehmen also mehr als doppelt so hohe Kredite auf wie Frauen (in der Summe), bezahlen etwas geringere Zinsen, fallen deutlich häufiger aus und haben ein schlechteres Inkassoverhalten. Diese Entwicklung ist für mich neu, das war am Anfang nicht so. Werde ich wieder in meine Score aufnehmen.

Oder nach Art des Wohnens:

0
Homeless
1 Owner
2 Living with parents
3 Tenant, pre-furnished property
4 Tenant, unfurnished property
5 Council house
6 Joint tenant
7 Joint ownership
8 Mortgage
9 Owner with encumbrance
10 Other

byHome
homeOwnershipType TotalAmount NumbersOfLoans AvInterest Defaultrate RecoveryRate CredScore
10 10’394’909.00 € 4244 24.45% 23.97% 7.26% 63.50
9 1’431’422.00 € 486 21.30% 30.11% 35.27% 97.05
8 17’226’817.00 € 6765 20.32% 17.39% 33.50% 86.98
7 6’241’069.00 € 2561 23.96% 32.78% 31.78% 86.58
6 2’283’264.00 € 1005 25.73% 41.44% 34.10% 79.74
5 1’737’361.00 € 800 23.00% 29.28% 21.17% 70.47
4 3’802’058.00 € 1568 25.40% 42.55% 26.02% 72.75
3 27’594’962.00 € 12333 24.53% 32.74% 16.71% 64.59
2 25’425’158.00 € 12021 25.78% 33.39% 19.66% 67.58
1 72’946’459.00 € 30532 22.30% 27.53% 19.31% 72.07
0 8’900.00 € 5 27.80% 46.57% 16.11% 103.03

Erstaunlich, dass so viele Hausbesitzer vertreten sind. Die besten Kreditnehmer sind sie allerdings nicht.

Ich versuche mich ja seit einigen Jahren daran, einen eigenen Score zu generieren. Der wird zwar niemals so gut sein können wie der von Bondora, mir es aber u.U. ermöglichen, aus einer Risikoklasse im Schnitt bessere oder schlechtere Kredite aussortieren zu können und so am Ende höhere Zinserträge zu generieren.

byMyRating
Ausdr1 TotalAmount NumbersOfLoans AvInterest Defaultrate RecoveryRate CredScore
A 21’341’896.00 € 11111 20.04% 21.66% 28.90% 84.13
AA 12’686’892.00 € 6813 18.62% 19.76% 38.61% 90.06
B 14’271’144.00 € 7020 21.34% 24.17% 23.09% 77.23
C 29’754’498.00 € 13798 23.16% 27.52% 21.78% 73.79
D 24’485’534.00 € 10394 24.88% 30.43% 20.05% 68.24
E 33’129’180.00 € 12831 25.96% 31.59% 17.54% 63.34
F 33’427’332.00 € 10355 27.03% 35.80% 14.07% 53.76

169’096’476.00 € 72322
27.3% 23.44% 72.9

Man sieht, dass ich insgesamt höhere Scores erziele. Das ist kein Wunder, denn das Fitting liegt genau nach diesem Score. Interessant ist aber, dass meine Zinssätze deutlich höher sind und immer noch eine gute Abhängigkeit zur Ausfallrate besteht. Auch haben meine A und AA-Kredite ein deutlich besseres Inkassoverhalten.

Auch noch interessant: wie sehen die neueren Kredite aus? Also ein Sample vom 1.1.18-31.3.20?

byRating
rating TotalAmount NumbersOfLoans AvInterest Defaultrate RecoveryRate CredScore
A 7’972’675.00 € 4476 11.70% 9.64% 6.34% 71.55
AA 12’079’482.00 € 4471 9.34% 5.26% 4.88% 76.69
B 17’751’027.00 € 9464 15.31% 13.76% 8.18% 71.19
C 27’483’047.00 € 11737 21.72% 17.75% 7.47% 68.15
D 31’982’667.00 € 12069 30.29% 24.37% 7.95% 61.62
E 23’320’179.00 € 9505 37.35% 33.72% 8.73% 54.80
F 1’151’964.00 € 429 38.91% 39.18% 5.27% 44.93
HR 19’028.00 € 9 42.97% 5.47% 2.49% 37.87

121’760’069.00 € 52160
18.6% 6.42% 60.8


Zunächst mal sieht man, dass das sowieso der Großteil aller Kredite ist! Sowohl Ausfallrate als auch Recovery ist natürlich deutlich geringer. Kommt noch. Ich würde B oder C-Kredite bevorzugen.

Auch hier ist mein Score interessant, weil es sich jetzt zumindest zur Hälfte um echte Prognosen handelt. Also ein Test auf Overfitting der Datenauswertung.

byMyRating
Ausdr1 TotalAmount NumbersOfLoans AvInterest Defaultrate RecoveryRate CredScore
A 12’382’859.00 € 7066 19.64% 12.32% 12.69% 78.22
AA 6’327’280.00 € 3953 17.79% 8.14% 17.74% 84.50
B 9’147’494.00 € 4818 21.39% 14.77% 10.57% 72.19
C 19’868’437.00 € 9619 23.14% 18.25% 10.37% 69.25
D 17’577’488.00 € 7587 24.92% 21.33% 9.39% 63.74
E 25’807’294.00 € 9859 25.97% 23.21% 6.63% 57.82
F 30’649’217.00 € 9258 27.19% 26.36% 5.21% 50.40

121’760’069.00 € 52160
17.8% 10.37% 68.0

Auch hier bin ich mit den Daten ziemlich zufrieden. Meine Strategie ist es, keine E oder F-Scores anzusammeln und AA-B überzugewichten. Das sollte sich langfristig auszahlen.


Der Creditscore geht von -50 bis 120, steigt mit zunehmenden Rückzahlungen und ggf. Inkassozahlungen, sinkt mit Zahlungsverzügen und natürlich mit Ausfall. Die Werte sind nicht nach Kreditsumme gewichtet, deshalb unterschiedliche Durchschnitte.



 

Donnerstag, 13. August 2020

Anlegen bei Lendermarket

Lendermarket ist die neueste Plattform, die ich teste. Ich lege seit Anfang des Jahres eine kleinere Summe dort an und beobachte den Gang der Dinge.

Hinter Lendermarket steht zunächst einmal ein alter Bekannter von mintos: Creditstar. So ist man also kein Neuling in dem Geschäft sondern vergibt schon seit vielen Jahren Kredite im Hochzinsbereich und finanziert das über p2p-Anlagen gegen. Nun hat man sich im Herbst 2019 entschlossen, das auch einmal über eine eigene Plattform zu probieren und die Kosten von mintos zu sparen.

Die Plattform ist technisch recht spartanisch, aber funktional. Außer einem Zweitmarkt habe ich nichts Wesentliches vermisst. Autoinvest ist da und funktioniert. Es können 10€+x in Kredite angelegt werden, es gibt buyback-"Garantie" und feste Zinssätze, zunächst 12%, im Moment 14%. Das ist allerdings deutlich weniger, als wenn man über mintos bei Creditstar anlegt.

Bislang gab es zweimal Cashback-Angebote. Von daher errechtnet sich nach etwa 5 Monaten bei mir ein IRR von gut 16% und das, obwohl eine Menge Zinsen noch ausstehen.

Die Liquidität ist mäßig. Ohne dass das vorher absehbar war, wurden viele Kredite verlängert. So dass aus 30-Tage-Anlagen schnell mal welche mit einer Laufzeit von 4 Monaten + ggf. 2 Monaten bis buyback greift werden. Zum unveränderten Zinssatz von 12%.

Anlagen gibt es aus verschiedenen Ländern, bei Polen und Spanien ist eher ein Monat üblich, bei Estland oder Finnland laufen die Kredite auch gerne mal drei Jahre.

Für die verlängerten Kredite hat man sich schließlich zu einem Bonus aufgerafft, so dass der Zinssatz effektiv auf 15% steigt. Bis Ende Juni zunächst.

Ich habe etwas Kapital (20%) wieder abgezogen, da mich die Verlängerei und insbesondere die Kommunikation dazu etwas geärgert hat. Insgesamt ist Lendermarket  aber eine bequeme Anlagemöglichkeit mit einem vergleichbaren Risiko und - ohne "Großanlegerbonus" - der selben Rendite wie bei swaper. Die Cashbackaktionen sind ein netter Bonus. Der Arbeitsaufwand ist sehr gering, wenn man Autoinvest nutzt. Wie üblich kein Tagesgeldersatz, aber für drei- bis vierstellige Summen durchaus eine Anlagemöglichkeit die man ins Auge fassen kann, wenn man mit payday-Krediten klarkommt. Ich werde weiter beobachten.

 

Update nach 2 Monaten (14.8.20): Die Lage hat sich im Moment stabilisiert. Der Zinssatz ist weiterhin bei 14%, sowohl für die Kurzläufer (naja, die wenigsten zahlen schon nach einem Monat zurück, aber 3 Monate ist ja immer noch eine sehr überschaubare Laufzeit) als auch für Kredite mit Laufzeiten von bis zu 5 Jahren. Da kommen die Kreditnehmer dann z.B. aus Schweden oder Estland. Das ist mir im Moment noch zu lange, obwohl der Reiz schon da ist, sich diesen attraktiven Zinssatz zu sichern. Und der Betreiber der Plattform, Creditstar, gehört deutlich zu den finaziell solideren auf dem baltischen p2p-Markt. Ich habe wieder ein wenig aufgestockt /Rückflüsse von anderen Plattformen wie z.B. flender) und investiere hier lieber als bei mintos.

Samstag, 13. Juni 2020

Bondora - zurück zur Normalität?

Die Coronakrise brachte harte Einbrüche auf Bondoras Kreditmarkt. Die Neuabschlüsse brachen massiv ein, neue Kredite in Finnland und Spanien werden vorerst nicht vergeben. Auch in Estland gibt es nur noch die "mittleren" Bonitätsklassen B-E. (F und HR waren auch schon vorher fast nicht mehr ausgegeben worden). Ob im Moment niemand als AA oder A eingestuft wird, oder ob man keine Nachfrage nach so niedrig verzinsten Krediten sieht ist unbekannt.
Nach einem Peek auf dem Zweitmarkt im März, wo massiv Kredite mit Abschlägen auf den Markt geworfen wurden, ist das Volumen hier auch stark zurückgegangen. Liegt soweit ich das beurteilen kann eher am Angebot als an der Nachfrage.
Bei go&grow kam es zu massiven Auswirkungen aufgrund des Liquiditätshunger der Anleger. Konnte man Mitte März noch wie gewohnt Geld unmittelbar abheben, war das bald nicht mehr möglich. Bondora zahlte jeweils nur Rückflüsse (und ggf. Neuanlagen) an die Aleger, die Auszahlungen beantragt hatten aus. Dazu kam es zu stark verzögerten Auszahlungen, die pro Werktag nur etwa 1-6% (stark schwankend) der beantragten Summe ausmachten. Auszahlungen aus dem Cashkonto aus eigenen Anlagen hingegen waren davon nie betroffen und weiterhin binnen eines Tages möglich.
Viele Kredite wurden umfinanziert (was Bondora gute Einnahmen verschafft) und bleiben bis zu drei Monaten zahlungsfrei. Auch beim Ausrufen des Inkassofalls scheint man im Moment großzügiger zu Agieren.

Bondora scheint insgesamt in der Krise einen guten Job zu machen. Bislang sind die Rückzahlungen nicht wesentlich gestört, der Zweitmarkt funktioniert sehr gut und auch aus dem Inkasso kommt erstaunlicherweise nicht weniger als vor der Krise. DIe Situation scheint sich zu stabilisieren. Es gibt wohl wieder deutliche Zuflüsse zu go&grow, zumindest wurde berichtet, dass Abhebungen nun mit nur minimalen Verzögerungen wieder möglich sind. Spannend dürfte diebezüglich der Bericht über den Juni werden: im April und Mai wurde kein einziger Kredit aus g&g-Mitteln finanziert.

Auf dem Erstmarkt ist nun (soweit ich das beobachten kann) auch wieder ein Kapitalüberhang vorhanden. Zumindest sind längst nicht alle Gebote erfolgreich. Und diejenigen, die bislang auf AA/A gesetzt haben können ja gar nicht investieren.

Ich vermute, dass wir schon in 2-3 Monaten fast zum Normalmodus zurückkehren werden. Das hängt natürlich auch vom wirtschaftlichen Gesamtmarkt ab. Die Rezession schwebt ja über uns und sie lässt sich nicht verhindern. Der Aktienmarkt ignoriert das. Wenn es hier wieder zu massiven Einbrüchen kommen sollte (was nicht unmöglich ist), wird das auch die Liquidität am p2p-Markt gehörig stören. Von der Möglichkeit der Kreditnehmer ihre Kredite zu bezahlen ganz zu schweigen. Von göheren Ausfallraten die nächsten 1-2 Jahre gehe ich aus. Trotzdem sehe ich bei Bondora zumindest eine große Chance, kein Geld zu verlieren - und das ist in diesen Zeiten schon viel wert.