Freitag, 9. November 2018

Estateguru Statistik

Kleiner Nachtrag zu Estateguru: nachdem mein vorhergehender Eintrag leichte Diskussionen auslöste, wie gut oder schlecht meine Kreditauswahl wohl ist, habe ich mir die Mühe gemacht, Stand heute (9.11.18) mal die Kredite in den unterschiedlichen Stati abzuzählen. Eine transparente Plattform könnte so etwas auch tagesaktuell anzeigen...

Open: 4
Full invested: 7  Das heißt im übrigen nur, dass das Bietverfahren beendet wurde. Nicht immer werden 100% der Wunschsumme erreicht.
Funded: 305 Das sind die, die noch zurückzahlen und dies auch tun, also momentan nicht im Verzug sind.
Late: 23 Mindestens 3 Tage verspätet
In default: 4  übrigens alle aus Estland.
Repaid: 201

Folgerung 1: Ja, mein Depot ist eher unterdurchschnittlich.
Folgerung 2: Insgesamt steht Estateguru nicht schlecht da.

Quelle: https://estateguru.co/portal/investment/main


Freitag, 2. November 2018

Bei estateguru geht der Punk ab!

Sehr viele neue Kredite, aber auch ettliche Rückzahlungen sind gerade beim estischen P2P-Anbieter Estateguru zu verzeichen. Ich kann mich nicht erinnern, dass es jemals schon ein so großes Angebot an offenen Krediten gab. Das ist sehr positiv, ermöglicht es doch eine Auswahl in aller Rige und auch eine ausreichende Disversifikation zur Risikostreuung.

Zugleich hat Estateguru auch die Webseite komplett erneuert. Vieles ist schöner, einiges übersichtlicher geworden. Allerdings sind auch einige Informationen nicht mehr oder nicht mehr so leicht aufzufinden. Was mich persönlich ärgert ist, dass es fast unmöglich ist auf einfache Weise festzustellen, ob ein Kreditnehmer schon eine Vorgeschichte hat. Das ist für mich ein essentielles Kriterium  bei der Anlage. Überhaupt die Transparenz. Leider nimmt Estateguru die Information seiner Anleger zu sehr auf die leichte Schulter. So wird man bei Zahlungsverzögerungen oder Ausfällen nur sehr zögernd informiert.

Die Rendite kann sich trotzdem bislang sehen lassen und ich bin daher immer ein wenig hin- und hergerissen zwischen Aufstocken oder Aussteigen. Deshalb investiere ich zwar die Rückläufe, investiere aber kein neues Geld. Das würde ich sofort ändern, wenn der Informationsfluss besser wäre. Und leider gibt es auch keim Alternativen mit guter Rendite und sauberer Informationspolitik.

So sehen die Zahlen bei mir aus: Estateguru  gibt meinen IRR-Wert mit über 15% an. Keine Ahnung, was die da alles mit reingerechnet haben ;) Meine eigene Berechnung liefert gut 10%. Das wiederum ist aber systematisch zu wenig, weil doch einige Kredite die Zinsen erst am Laufzeitende bezahlen. So oder so, nichts zu meckern soweit.

Nicht alle Kredite zahlen pünktlich:



Im Vergleich zu anderen Plattformen ist die Verzugsrate erträglich, Echte Ausfälle gibt es noch nicht, bei einem Kredit ist die Rückzahlung nun ein Jahr überfällig und es laufen Gerichtsverfahren, die sich hinziehen. Bei einem weiteren wurde die Immobilie ziemlich zügig veräußert und alles bezahlt.

Nochmal als Kuchendiagramm:

 
Knapp 15% des aktuell angelegten Kapitals sind also nicht am pünktlich bezahlen. Die meisten Kreditnehmer zahlen dann allerdings innerhalb eines Monats nach. Echt im Risiko stehen hier unter 5% - das muss man bei Zinssätzen von 10% und mehr natürlich einkalkulieren.

Fazit: bei einer entsprechenden Streuung kann man durchaus mit Renditen von 8% und mehr nach Ausfällen rechnen. Das Risiko ist vorhanden, allerdings sind alle Kredite durch Hypotheken abgesichert, so dass ein Totalverlust in der Regel auszuschließen sein sollte. Ob auch tatsächlich die Immobilie den Kredit abdeckt bleibt abzuwarten. Mit pünktlichen Zahlungen sollte man nicht allzusehr rechnen, Verlängerungen von 3-12 Monaten sind durchaus üblich. Dafür sind die Laufzeiten von 1-2 Jahren ja auch noch recht überschaubar.

Anmerkung: für Neuanleger gibt es bei Anmeldung über den Link  Estateguru   einen Bonus von 0,5% der Anlagesumme der ersten drei Monate. Für mich übrigens auch ;)

Mittwoch, 31. Oktober 2018

OT: Crowdfunding

Wer in p2p investiert, kommt am Crowdfunding nicht vorbei. Bei Kickstarter und Indiegogo gibt es alles mögliche, innovative Hightec, Schnickschnack, Stylisches in praktisch jeder Preisklasse.

Man kauft nicht etwas, man unterstütz die Entwicklung eines mehr oder weniger innovativen Produkts, hofft dass das gut geht und erhält in diesem Fall ein Produkt, dass es so nicht oder nur viel teurer auf dem Markt gibt. Eines meiner Projekte, das eBike MateX hat gerade über 14 Mio eingesammelt. Ich kann nur hoffen, dass das gut geht :)

In den meisten Fällen klappt es auch, auch wenn das versprochene Auslieferungdatum fast immer viel zu optimistisch angegeben ist. Manche Projekte sind einfach dann am Ende doch nicht umsetzbar (und das Geld verloren) und der ein oder andere Betrüger treibst sich auch herum. Wie halt überall im Cowdxxx-Bereich.

Ich habe einige coole Produkte erhalten, die ich nicht missen möchte. Und der Preisvorteil gleicht den Verlust von zwei Beiträgen, die bislang aufgetreten sind, mehr als auch.
Cool fan ich z.B. https://www.indiegogo.com/projects/mico-the-new-way-to-make-delicious-microwave-meals/x/14327237 was wirklich top funktioniert und bei uns viel im Einsatz ist.

Cool wird hoffentlich auch der innovative Fahrradhelm von Park&Diamond:



Ebenfalls ebenso überflüssig wie faszinierend ist der Bluetooth-Lautsprecher, der als Resonanzkörper eine beliebige PET-Flasche einsetzt. Auf so etwas muss man estmal kommen.




Nur das Warten, das wird schwer.

Bezahlt wir in der Regel in Dollar, das mache ich per revolut Kreditkarte. Und aufgepasst, bei vielen Projekten ist noch Zoll und Mehrwertsteuer zu entrichten, zusätzlich zum angegebenen Preis und den Versandkosten.

Und natürlich ist manches so stylisch, dass es nicht mehr als preisgünstig bezeichnet werden kann wie dieses drahtlose Ladegerät bei Kickstarter. Aber alleine das Stöbern macht Spaß. Kreditkarte am besten vorher wegsperren ;)

Sonntag, 7. Oktober 2018

Flender ohne Ausfälle?

Flender, die irische p2p-Plattform mit Unternehmenskrediten im 5stelligen Bereich erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Knapp 5000 Privatanleger zählt man mittlerweile und hat auch einen großen institutionellen gewonnen, der bis zu 70% des anzulegenden Kapitals zeichnet. Die Kredite sind daher ruckzuck vergeben, ganz anders noch als vor einem halben Jahr. Kein Wunder, locken doch Zinsraten von um die 10% und bei knapp drei Millionen verliehenem Kapital gibt es auch gut 15 Monate nach dem Start keine Ausfälle.
Was verwundert. Und unangenehme Erinnerungen an zencap und lendico weckt, wo Kreditraten aus eigener Tasche bezahlt wurden, entweder weil man so naiv war und auf baldige Nachzahlungen hoffte oder weil man... hat sich nie herausgestellt. Lediglich lendico hat sich damals der Verantwortung gestellt, die Anleger "verwirrt" zu haben und deshalb für alle betroffenen Kredite (also alle bis zur Offenlegung dieses Missverständnisses gezeichneten) eine Zahlungsgarantie abgegeben. Zencap hat niemals irgendetwas zugegeben und unter anderem dadurch mein Vertrauen völlig verloren.

Ganz so sieht es bei flender nicht aus, allerdings sind bei meinen bislang fälligen 230 Zahlungen alle tagesgenau beglichen worden. Das ist zu gut, um realistisch zu sein. Auch andere wunderten sich, warum Kredite von Firmen, die auf einer anderen Plattform in Verzug sind, bei flender weiter bedient werden.

Dies sich daraufhin mit flender entspannende Diskussion kann man hier nachlesen: https://www.p2p-kredite.com/diskussion/defaulted-loans-t5644.html . Immerhin antwortet flender auf hartnäckiges Fragen ehrlich.

Insgesamt gibt es demzufolge Stand Anfang Oktober mindestens drei Kredite, die in ernsten Schwierigkeiten stecken. Das ist natürlich eine zu erwartende Rate und in den Zinssatz einkalkuliert. Allerdings - die Anleger, die nicht zufällig im genannten Forum mitlesen, wissen davon (noch) nichts. Und das finde ich nicht in Ordnung.

Anlageentscheidungen hängen ganz wesentlich vom Vertrauen in die beteiligte Plattform ab. Das ist natürlich sehr hoch, wenn man meint, alle Kredite bedienen ihre Zahlungen pünktlich. Das ist ebenfalls sehr hoch, wenn man sich sicher ist, dass Verzüge transparent und zeitnah aufgezeigt werden. Und das letztere ist nicht so.

Über das bis zu drei Monatsraten umfassende Deposit habe ich ja schon berichtet. Immerhin streckt flender damit keine Raten mit eigenem Geld vor. Dass man daraus verspätete eintrudelnde Raten auslegt, ist von großem Vorteil für diejenigen Anleger, die auf einen verlässlichen cashflow setzen (beim Konkurrenten estateguru gleicht der Zahlungsplan zu großen Teilen Kaffeesatzleserei). Aber spätestens nach drei Wochen (mein Empfinden) ist eine Zahlungsstörung eingetreten, über die der Kapitalgeber informiert werden sollte. Das ist nicht geschehen, alles sieht absolut "sauber" aus. Wie auch über dieses ganze Depositverfahren. Ich habe darüber auf der Seite von Flender keinerlei Information gefunden.

Überhaupt die Webseite. Leider nimmt man Kommentare dazu nicht wirklich ernst. Informationen sollte in erster Linie mal richtig sein (naja, das sind sie), dann hilfreich (z.B. das ausstehende Kapital, das man nur aus Differenzbildung ermitteln kann), den aktuellen Gesamtwert und eine bislang erzielte Rendite enthalten und dann noch einen schnellen Zugang auf alle Informationen bieten. Bis ich alle meine Kredite mal aufgelistet bekomme, muss ich mindestens zehnmal klicken.

Flender steht bei mir unter Beobachtung und ich werde beim Investieren vorsichtiger sein.

Samstag, 15. September 2018

Bondora "schützt die Anleger"

Werden Veränderungen bei einer P2P-Plattform vorgenommen, so ist die Begründung fast immer, dass fast alle Anleger das so wollten oder dass sie davon profitieren. Gerade Bondora ist schon oft mit solchen Aussagen negativ aufgefallen, und praktisch nie haben sie die Realität getroffen.

Nun gibt es natürlich ein breites Spektrum an Anlegern und das was mir gefällt, muss nicht dem Wunsch des durchschnittlichen Investors entsprechen. Jeder verortet sich ein bisschen wo anders im magischen Dreieck aus Rendite, Risiko und Liquidität, hinzu kommt noch die Einfachheit und Transparenz des angebotenen Produkts. Nicht jeder will mit komplexen Skripten per API investieren.

So wurden der Portfoliomanager geschaffen (der IMHO allen nur Verluste einbrachte), der Portfoliomanager Pro, der nun wenigstens im engen Rahmen gewisse Auswahlmöglichkeiten erlaubt und vor ein paar Wochen go&grow, das Rundum-Sorglos-Paket für den absolut unmündigen Anleger.
Immerhin hat man in allen Fällen die meisten Alternativen (bisher) weiter bestehen lassen.

Bondora bewirbt g&g aggressiv als eine Art Tagesgeldkonto mit hoher Rendite. Täglich verfügbare Liquidität (solange der Vorrat reicht), 6,5% Verzinsung (auf keinen Fall mehr, kann aber ohne Kapitalgarantie auch schlechter laufen), tägliche Zinsgutschrift (so etwa 2ct pro 100€) und keine Gebühren außer 1€ je Abhebung. Klare Aussage, was die Steuern angeht. Also perfekt.

Das mag ja zutreffen, auch wenn das Risiko schwer einzuschätzen ist (ich halte es im Moment für ziemlich klein). Das Produkt trifft allerdings nicht unbedingt den Geschmack eines im Baltikum anlegenden p2p-Investor. Anyway. Das ist noch nicht der Punkt.

Neue Anleger machen häufig Fehler, die ihnen die Rendite vermasseln. Anteile mit hohen Zinsen und hohen Aufschlägen am Zweitmarkt zu kaufen ist einer, noch verbreiteter allerdings die besten Stücke mit nur kleinem Aufgeld dort zu verkaufen. Mit über 350.000 eingestellten Anteilen ist der Zweitmarkt durchaus interessant für Anlageprofis geworden, die über fundierteres Wissen verfügen, sehr gute Filter haben und solche Schnäppchen automatisiert innerhalb von Sekunden wegkaufen. Übrig bleibt dann oft der Bodensatz an früher oder später ausfallender Krediten, deren Verlust durch die paar Prozent Verkaufsgewinne nicht annähernd ausgeglichen werden kann. Bondora kalkuliert seine Renditeansprüche ohne Zweitmarktgeschäfte unter der Voraussetzung der Langzeitanlage. Abgesehen von den oft viel zu optimistischen Vorhersagen sind es eben diese Fehler, die zu Verlusten führen, die Anleger verärgern und Bondora in Schwierigkeiten bringen.

Anfänger sollten deshalb erst einmal nicht am Zweitmarkt handeln, besonders nicht verkaufen. So war das auch am Anfang, da musste man erst mal eine gewisse Zeit dabei sein, dann das besondere Risiko akzeptieren und erst dann durfte man loslegen. Auch dagegen ist nichts einzuwenden.

Aber jetzt kommt es: all denen, denen das Risiko jetzt doch zu groß erscheint, macht Bondora ein freundliches Angebot. Sie können ir komplettes Portfolio ganz einfach an g&g "verkaufen". Also raus aus der Einzelanlage, rein in den Fonds. Das selbe, was die örtliche Sparkasse regelmäßig allen meinen in der Rente befindlichen Verwanden empfiehlt. Mit dem klaren Hintergrund erstmal einige Prozent Provision abzuzwacken.

Ähnlich vergiftet ist auch Bondoras Angebot, das selbstverständlich nur für die absoluten Rosinen gilt. Denn Kredite, die im Verzug oder gar ausgefallen sind, verbleiben beim Anleger. Und die laufenden, die grünen Anteile, sollte man ja gar nicht verkaufen (s.o.) ??!!
Und das Angebot selbst ist auch alles andere als lukrativ. Grüne Anteile bekommt man in fast allen Fällen so schnell man klicken kann zu pari verkauft. Oder mit einem Aufgeld, wenn man mehr Zeit aufbringt. Was aber bietet Bondora? Zu nächst einmal bekommt man nur ein Angebot für Anteile, die nicht im Verkauf sind,

Ein kleines Depot mit fast ausschließlich bester Riskoklasse (A/AA):
Current portfolio value * 143.79€
Our offer 139.48€
Wie bitte?
Dann mein fettes Portfolio mit 13600€ grünen Anteilen, gut gereift und viele Renditebringer
Current portfolio value * 10573.47€
Our offer 7906.1€

Und ein letztes Beispiel mit gut 1100€ grünen Anlagen:
Current portfolio value * 845.42€
Our offer 810.86€


Das ist absurd. Das ist Abzocke. Das ist kein Angebot!

So also schützt Bondora seine Anleger. Vielen Dank. So hohe Verluste würde niemand beim selbständigen Handeln erleiden. Schaltet euer Gehirn ein - oder eueren Anwalt wenn ihr schon darauf reingefallen seid.