Sonntag, 25. August 2019

Estateguru - sind 10% Ausfall zuviel?

Bei Estateguru investiere ich seit einigen Jahren. Alle Kredite sind über eine Hypothek gesichert, die Kreditnehmer kommen, mit wenigen Ausnahmen, aus den baltischen Staaten. 10-12,5% Zinssatz sind zu erzielen, die Laufzeit beträgt meist 1-2 Jahre.

Die meisten Zahlungen erfolgen mehr oder weniger pünktlich. In der Regel werden nur Zinsen bezahlt, etwa in der Hälfte der Fälle monatlich, manchmal auch vierteljährlich oder mit der Rückzahlung am Ende der Laufzeit. Bei den letzteren Fällen kann man zwischenzeitlich nichts von eventuellen Zahlungschwierigkeiten erahnen.

Im Moment sind knapp 10% (12 von 150) meiner Kredite Status "Inkasso". Das klingt zunächst einmal bedrohlich, 10% Ausfälle bei gut 10% Zinsen, wird da überhaupt ein Gewinn übrig bleiben?
Hinzu kommt ja noch, dass die im Moment noch laufenden Kredite, insbesondere mit Gesammtzahlung am Ende der Laufzeit, ja auch noch ausfallen können.

Allerdings sieht die Sache deutlich besser aus, wenn man einen genaueren Blick auf die Situation wirft.
+ Die meistem meiner Kredite sind inzwischen abgeschlossen. Das sind 63,5%. Dadurch vermindert sich die Inkassoquote auf 4,5%.
+ 3 Inkassofälle (insgesamt 5 Kredite) wurden erfolgreich abgeschlossen. Da ging kein Kapital verloren, im Gegenteil wurde noch einiges an Zinsen erwirtschaftet.
+ Bis heute erwirtschafteten Zinsen steht eine Inkassosumme von etwa 50% der Einnahmen gegenüber, falls überhaupt nichts eingetrieben werden könnte. Davon ist allerdings nicht auszugehen.

Das bedeutet, nach aktueller Statistik liegt die Rendite immer noch deutlich über 5%, vermutlich aber eher bei 8-10%. Dagegen kann man wenig sagen.

Aber auch die Nachteile sollen nicht verschwiegen werden:
- Zahlungsschwierigkeiten erfordern einen langen Atem. Auch letztendlich erfolgreiche Kredite werden häufig verlänger. Die Liquidität dieser Anlagen ist nicht sehr hoch. Das relativiert sich allerdings, wenn man sehr viele Kredite hält. Dann gibt es entsprechende ständige Rückflüsse.
- Die Inkassoverfahren sind sehr undurchsichtig, die von Estateguru angegebenen Werte werden bei Auktionen nicht erzielbar sein. Das kann sich über mehrere Jahre hinziehen und mit Kapitalverlusten im ein oder anderen Fall wird zu rechnen sein.

Insgesamt gefällt mir bei Estateguru, dass die Zinsen für die Kreditnehmer in Rahmen bleiben (für baltische Verhätnisse sind sie durchaus günstig), so dass hier eine echte Win-Win-Situation entstehen kann. Wucherzinsen wie bei mintos, swaper oder twino wird man hier nicht finden. Ein Ausfallrisiko ist vorhanden, aber auf lange Sicht und bei entsprechender Streuung wird die Gesamtrendite nicht zu sehr gedrückt. Die Sicherheiten sind zwar nicht einfach zu verwerten, begrenzen aber das Risiko beträchtlich.

Ich empfehle daher Estateguru weiterhin und werde investiert bleiben.

Nachtrag (31.8.19) Bei meinem ältesten Inkassofall, bei dem sich der Kreditnehmer mit allen Mitteln gegen eine Zwangsversteigerung zu wehren versucht hatte, wurde nun eines von drei Sicherungsobjekten verkauft. Nach Abzug aller Inkassokosten (und das waren sichlich nicht wenige) wurden immerhin 30% der Anlagesumme an die Anleger ausbezahlt. Da wird noch mehr kommen, und das ist sicherlich kein schlechter Anfang. Dauer des Verfahrens: knapp 2 Jahre bis heute.

Kommentare:

  1. Die Meinung in Verbindung mit deinem Rückzug von Mintos kann ich persönlich nicht nachvollziehen. Bei mir ist mein Estateguru-Konto eine totale Katastrophe und ich bin froh, wenn ich ohne Verlust aus dem Abenteuer herauskomme. 6 meiner 8 in Default befindlichen Anlagen haben nicht eine einzige Rate gezahlt. Wo da auch nur irgendeine Risikoprüfung seitens Estateguru sein soll, weiß ich nicht. Mintos ist zwar auch nicht sonderlich transparent, aber da kann ich wenigstens so breit streuen und erhalte so hohe Zinsen, dass ich den ein oder anderen Ausfall kompensieren kann. Bei Estateguru wird das wohl nichts werden.

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    1. Ich investiere ja nur ca. 10% meiner p2p Anlagen bei EG. Aber meine Erfahrungen sind halt nicht schlecht. Mintos in der jetzigen Form mag ich einfach nicht. Das ist keine Renditeoptimierung.

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